——y4
—
gefährte, Kriegskamerad, ſo ſtehts im Wörterbuch. Wenn aber das Wörterbuch Recht hat, darf ich Euch dann ſo nennen, dürfen wir es, die wir uns hier verſammelt haben, um Euch zu begrüßen? Ich meine doch. Kicht nur, daß hier rechts und links von mir unter Euren Uehrern manch Einer ſitzt, den wie Euch das Schlachtengetümmel umbrauſt und de Kugeln umziſcht haben. Ich glaube noch mehr ſagen zu dür⸗ fen: wir ſind alle Waffenbrüder geweſen in dieſem Kriege. Wir haben alle nicht nur gebangt und geſorgt für unſer Vater⸗ land, wir haben auch gearbeitet und gekämpft, jeder in ſeiner Weiſe, ſo wie es ihm Gott gegeben hat. Rber freilich nicht in dem beſonderen Sinn wie die Mehrzahl derer, die ich hier vor mir ſitzen ſehe. Ihr ſahet dem Todò in's fuge, täglich, ſtündlich. Euch traf die Kugel und machte Euch wund. Ihr ſahet den Freund neben Euch fallen, Ihr halft, den ſchwer⸗ verletzten Kameraden zurückzutragen aus der Feuerlinie. Ihr harrtet aus in Froſt und Schnee, bei Sturm und Regen, in Trommelfeuer und Schanzarbeit. Mit Euren Leibern decktet Ihr uns, unſere Frauen und Kinder, Eure Eltern, Geſchwiſter, Bräute. So iſt unſere Dankesſchulo gegen Euch gewachſen täglich, ſtünoͤlich, ſchier in's Rieſenhafte hinein.
Und wie mag ſich das alles eingegraben haben in Eure Herzen und Sinne. Huch wer nur Monate oraußen war, er iſt doch ein Anoerer geworden. Vollends die, die lange Jahre oͤraußen verbrachten, die Freud und Leid, Ehrung und Ent⸗ behrung mit Unzähligen geteilt haben, die unſeres Heeres herrliche Siege erſtreiten halfen und ſeinen allmählichen Nieder⸗ gang mit Bitterkeit erleben mußten, als andere Menſchen ſind ſie zurückgekehrt. Und wenn Ihr nun, Ihr Flle, jetzt in be⸗ ſinnlicher Stunde das Buch Eures Lebens aufſchlagt, ſo ſchaut Euch von jedem Blatt der letzten Jahre das eine, ſchwere, große Wort entgegen: Opfer! Haben wir nicht unſere Jugend geopfert? Und nun, da wir zurückgekehrt ſind: harren unſerer nicht weitere Opfer? Und aus den Tiefen Eurer Seele ſteigt gar die Frage auf, die bange Frage: ſind unſere Opfer nicht vergeblich geweſen? haben wir firbeit und Entbehrung er⸗ tragen ſollen, haben wir unſer Blut vergießen müſſen, um
5


