Aber am Kern möchte ich nichts geändert ſehen. Ich freue mich wie ſonſt ſo heute der bunten Bilder mir gegenüber und grüße Eure Fahnen, die nach ſo langen Jahren wieder auf uns herniederſchauen. Sind ſie doch uns Alten eine koſtbare Erinnerung an die Zeiten, in denen wir ſelbſt in frohem Jugendmute und ſorgenlos ihnen folgen durften.
Draußen ſproßt und grünt es, und der Rmſel abendlich gied kündet uns den nahenden Frühling. Möchte auch uns, unſerem Volke der Frühling kommen, der uns beſſere Zeiten einleitet. Freilich, eben liegt die Zukunft grau in grau vor uns, und Rebel verhüllt die Ferne. Hoffen wir, daß wenn er ſinkt, der Blick vorwärts ein freunolicher ſein möge. Kicht ausgeſchloſſen freilich iſt es, daß auch wir noch einmal zur Hilfe für das bedrängte Vaterland aufgerufen werden. Dann, das iſt mein Herzenswunſch, möchte ich für diesmal in den Reihen meiner Studenten und bei ihnen ſtehen, ihnen auch an anderer Stelle als der gewohnten ein Führer ſein. Ge⸗ meinſam wollen wir dann den ſchönen alten Wahlſpruch un⸗ ſerer Ludoviciana betätigen:
Literis et armis ad utrumque parati!
3. Zwiſchenſpiel des Orcheſters:
wWir hatten gebauet ein ſtattliches Haus.
4. Ainſprache des Geh. Kirchenrats Prof. D. Dr. Guſtav Krüger.
giebe Kommilitonen!
Ihr ſaht auf blut'gem Felde in's flug' dem Tod, Getreu habt Ihr erfüllet der Pflicht Gebot. Kun ſeid dem Volke Führer in ſeiner Kot,
Zum heil dem Vaterlande, für's Reich, mit Gott!
Kommilitonen! Wie vertraut klingt uns das alte, liebe wort. Und doch, hat es nicht einen neuen Inhalt bekommen? Jawohl, einen neuen, aber einen Inhalt, in dem ſeine ur⸗ ſprüngliche Bedeutung wieder lebendig geworden iſt: Waffen⸗
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