Druckschrift 
Trauerfeier für die Gefallenen der Ludwigsuniversität in der Neuen Aula am Totensonntag 1919 / [Ansprache des Rectors Prof. Dr. Karl Kalbfleisch, Rede des Prof. D. Dr. Martin Schian, Ansprache des Vorsitzenden des Gesamtausschusses der Studentenschaft std. rer. pol. Otto Estenfeld]
Entstehung
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entfernt. Horch! wie dͤie feinoͤlichen Maſchinengewehre häm⸗ mern! Sie reißen furchtbare Lücken. Das Uieò wird leis und leiſer... abgehackt... ab gebrochen, zuletzt iſt es nur noch ein Stöhnen und Röcheln blutendͤer, ſterbender Jünglinge.

Es iſt ein grauer, nebliger Novembertag. Zu Hunderten und abermals Hunderten bettet man die Toten in die ver⸗ laſſenen Schützengräben zur letzten Ruhe. Gräber zu bauen hat man für die Vielen keine Zeit, ſo legt man ſie dorthin, wo ſie vor wenigen Stunden erſt, mit dem Liede auf den Lippen, aus dem Ueben in den Tod geſtiegen ſind. Über den zugeſchütteten Graben ragt ein einfaches Kreuz aus Holz. Es ſpricht zu jenem, der da oͤrunten unter dem Eroͤwall den Freund ſucht, in fürchterlicher, verzweiflungsvoller Kürze: Hier ſtarben hundertfünfzig deutſche Kriegsfreiwillige den Heldentod fürs Vaterlano..

VYiele ſolcher Kreuze kann man zählen, viele!.... Sie alle ſagen das gleiche: Tot! tot! ſonſt nichts, ſonſt gar nichts. Und doch, welche unenoͤliche Kraft liegt da oͤraußen begraben, wieviel große Liebe iſt gebrochen worden?! Wo iſt er, der Freund, der auf der Bruſt das oͤreifarbene Band getragen wie ich, mit dem ich ſo manches mal in wildem ungeſtümen Eifer die Köpfe glühend geredet? Ja, wo iſt er?

Und was wird die Mutter ſagen? Ihr wird das Herz zerbrechen. Vielleicht ſitzt ſie gerade jetzt zu Hauſe im trauten Stübchen und betet zu Gott, er möge ihrem Liebſten das geben erhalten... während er ſchon oͤraußen in Flanderns feuchter Erde ruht. Schmerz, tiefer Schmerz! Doch ſei ſtill, Mätterchen, ſei ſtill, weine nicht ſo ſehr! Dein Sohn hat Freunde. Liegt auch ſein Körper unter Trümmern begraben, ſein Geiſt lebt weiter jetzt und allezeit. Dort oͤraußen dieſe beiden ſchlichten Gedenktafeln werden noch viele akademiſche Geſchlechter mahnen und mit übermächtiger Kraft zwingen, feſtzuhalten an dem gewaltigen ſittlichen Glauben, mit dem dieſe für ihr Volk geſtorben ſind. Gedenke, daß Du ein Deutſcher biſt ſo rufen ſie aus ihren Gräbern, über Berg und Tal der Heimat zu. Für jetzt Verlorenes ſetzten ſie ihr junges Ueben ein, für Hohes und Hehres ſind ſie ausgezogen, nicht um eitlen Scheines Tand, ſondern nur ihrem Heimat⸗