Druckschrift 
Trauerfeier für die Gefallenen der Ludwigsuniversität in der Neuen Aula am Totensonntag 1919 / [Ansprache des Rectors Prof. Dr. Karl Kalbfleisch, Rede des Prof. D. Dr. Martin Schian, Ansprache des Vorsitzenden des Gesamtausschusses der Studentenschaft std. rer. pol. Otto Estenfeld]
Entstehung
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7 lande zuliebe. Nicht nationaler Chauvinismus hat ſie in den Tod getrieben, es war das einfach⸗reine Gefühl, die ſelbſtver⸗ ſtändliche Forderung ihrer Seele, alles hinzugeben für ihr gand und ſo gaben ſie ihr Ueben.

Unſere Pflicht nun iſt es, meine lieben Kommilitonen, unſere heilige Pflicht nun iſt es, dieſen Geiſt in uns wach zu halten. Es gilt dies namentlich jetzt, da alles Große und Er⸗ habene in dem Sumpf viehiſchſter Werktagsluſt verkommen will. gLug und Trug ſind heute das RKüſtzeug für den täg⸗ lichen Gebrauch. Doch möge da oraußen die wahnſinnige Gier nach irdiſcher Freude die Menſchen beherrſchen hier in den ehrwürdigen Hallen unſerer alma mater, hier wollen wir uns führen laſſen von dem Geiſte unſerer Gefallenen. Hört's ihr Toten, hört es! Über Euren Gräbern ſchwören wir es, getreu zu bleiben Eurem ſittlichem Streben, getreu zu bleiben Eurem reinen Glauben an den Wert des deutſchen Volkes. Uber dem unſeligen Gezänk des Tages wollen wir nie und nimmer vergeſſen den Gedanken an ein großes, ſtarkes, deutſches Vaterland. Dafür ſeid Ihr geſtorben und wir, Eure Erben,

wir wollen nicht eher ruhen und

raſten, bis wir es wieder haben!

Doch, über dieſem Gelöbniſſe an die deutſche Tat der Zukunſt, woollen wir all jener nicht vergeſſen, die da oraußen ruhen, fern ihrer Heimat. Unter dem Meere zahlloſer Kreuze in Oſt und weſt liegen Feind und Freund im Tode vereint. So ehren auch wir unſere Toten am beſten, wenn wir uns beugen vor den Toten der ganzen Welt.

Es ziemt ſich das beſonders in oͤieſen Wochen, da wir uns ſo langſam vorbereiten auf unſer deutſches Weihnachtsfeſt. Weih⸗ nacht, wie zart das klingt! Weihnacht, wie eigenartig es in unſerem Herzen wird, wie die Erinnerung lebt!... Vor unſeren Rugen ſteht ein Biloͤ.

Es ſchneit! Langſam, ganz langſam fallen die Flocken nieder. weiß und weißer wird das Rntlitz der Welt. Rlle Gegenſätze ſind verwiſcht durch Gottes Hand. Die Erde ſcheint 9

in Traum verſunken. Vom nächtlichen Himmel aber ſteigt der Chor der Engel und ruft in alle Menſchenherzen hinein: Friede auf Erden und den Menſchen ein Wohlgefallen!