Druckschrift 
Trauerfeier für die Gefallenen der Ludwigsuniversität in der Neuen Aula am Totensonntag 1919 / [Ansprache des Rectors Prof. Dr. Karl Kalbfleisch, Rede des Prof. D. Dr. Martin Schian, Ansprache des Vorsitzenden des Gesamtausschusses der Studentenschaft std. rer. pol. Otto Estenfeld]
Entstehung
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Anſprache des Vorſitzenden oͤes Geſamtausſchuſſes oer Stuoͤentenſchaft ſtud. rer. pol. Otto Eſtenfeld.

Schwergeprüfte fingehörige unſerer gefallenen Brüder! Hochverehrte Lehrer! Liebe Kommilitonen!

Fünf Jahre allerſchwerſten Ringens ſind ins Landò ge⸗ gangen, gerade fünf Jahre ſind es her, da durch alle deutſche Gauen die Kunde ging von den erſten großen Taten unſerer Kriegsfreiwilligen. Hoch im KNorden Frankreichs und in den ebenen Gefiloͤen Flanderns ſtemmten ſie ſich wioͤer die ſtändig oͤrohender werdende Überflügelung. Eiligſt zuſammengeſtellte Regimenter, ganze Batterien, nichts als Freiwillige, warf man in die große Schlacht. Sie zwangen es, doch unter welchen Opfern?! Wer kennt ſie noch, die Stätten, an oͤenen das Blut Deutſchlands akademiſcher Jugend klebt? Wer kennt ſie noch? Viele unter uns waren ja mit bei Dixmuiden und Upern, an der Iſer und der Marne. Wieviel einſam verlorene und dann wieder dicht gedrängte Haufengräber erzählen heute und künftig von dem großen Maſſenſterben deutſcher Jugend.

Und dann erſt der Tag von Langemark! Rm nächtlichen Himmel jagen die Wolken vom Sturme gepeiſcht, an der Front iſt ein Brodeln und Ziſchen, Leuchtkugeln ſteigen auf und ab, ſie zeigen den Schützen in den waſſergefüllten Gräben den Weg für ihr tötliches Blei, die Geſchütze ſingen unaufhörlich ihr Sterbelied-- und nur der Mond guckt zuweilen durch die Wolken⸗ fetzen ourch, verſtänoͤnislos: der einſame Wanderer im unendlichen Weltenraum will nicht begreifen, wie ſich die Menſchen auf dieſer kleinen, kleinen Erde ſo das Ueben verkümmern.-

Der Morgen graut, lebhafter ſteigen die weißen Kugeln, ſtärker und immer ſtärker wird das Bellen der Geſchütze, ein nervöſes Beben oͤurchzuckt den Körper, noch 5 Minuten, noch 3... ℳ¼°, jetzt, was höre ich, lauter und lauter gleich einem mächtigen Chor klingt es durch bis an unſere Geſchütze: Deutſch⸗ land, Deutſchland über alles, über alles in der Welt..... Schauer der Begeiſterung überläuft den Rücken, Tränen in oͤen RNugen, das Herz quillt über, ſo ſtehen wir bei unſeren Kanonen, während ſich der Sang mit den ſtürmenden Kolonnen

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