Druckschrift 
Trauerfeier für die Gefallenen der Ludwigsuniversität in der Neuen Aula am Totensonntag 1919 / [Ansprache des Rectors Prof. Dr. Karl Kalbfleisch, Rede des Prof. D. Dr. Martin Schian, Ansprache des Vorsitzenden des Gesamtausschusses der Studentenschaft std. rer. pol. Otto Estenfeld]
Entstehung
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zu faſſen, nicht, weil wir verſtockte Nationaliſten wären, die außer dem eigenen Volk nichts kennten und nichts wollten. Kein, weil uns alles, aber auch alles zu beweiſen ſcheint, daß das Glück ſolcher Völkergemeinſchaft weder jetzt noch in irgend abſehbarer Zeit zu ſchauen ſein wird; am allerwenigſten für unſer deutſches Volk. Wir werden nicht ſatt von den Träumen in den Köpfen der Weltbeglücker. Wir weroͤen nicht frei durch einen Bund, der geſchaffen iſt, um uns niederzuhalten. Wir werden nicht daourch unſeres Lebens froh, daß fmerikas Reichtum und Englanoͤs Weltgeltung ins Fabelhafte wachſen.

Kein, laßt uns als klare und wahre deutſche Männer oͤem Ungeheuren offen ins Rngeſicht ſehen! Wir ſagen es mit zuckenden Lippen, mit heißer Qual in der Seele: Von all den Hoffnungen, mit denen die Unſeren ſtarben, ging keine in Erfüllung. Sie gingen fürs Haterland in Not und Tod. Und jetzt liegt oas Haterland in Not und Tooͤ.

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Und doch darf das nicht das Einzige ſein, was wir heut zum Gedächtnis unſerer Gefallenen ſagen. Wir können nicht bei einemHergeblich bleiben. Warum nicht? Weil wir davor zurückbebten, den unabwenoͤbaren Schluß zu ziehen? Kein. Wir haben andͤere, tiefere Gründe. Wir denken gerade heut, am Totenſonntag, daran, daß es ewige Werte gibt, eine ewige Welt und einen ewigen Gott. Wir bekennen heut, daß wir an einen Sinn glauben, der in allem Geſchehen ſich offen⸗ baren muß. Rn einen Sinn des Werdens und VYergehens. n einen Sinn des Lebens und des Sterbens. Wir en⸗ den auch deshalb nicht mit demHergeblich, weil uns noch mehr zerbräche als nur unſer Herz, ſelbſt noch mehr als unſer Vaterland, wenn wir unter ſo viel Liebe und Treue, unter ſo viel Pflichteifer und Hingabe, unter ſo viel Leid und Not nichts zu ſchreiben hätten als das WortVergeblich.

Aber wie kommen wir darüber hinaus? Den Weg weiſt das alte, ſchlichte Wort: In magnis et voluisse sat est. Wir müſſen das Wollen vom Erreichen trennen. Wir müſſen uns innerlich frei machen, um das Wollen in den Seelen unſerer