gefallenen Brüder und Freunde ganz ohne Rückſicht auf das Ergebnis des Krieges anzuſehen.
Wollen. Sie haben gewollt. Ooͤer waren ſie nur mit⸗ geriſſen vom Strom der allgemeinen Begeiſterung? Wäre der Entſchluß unſerer Kriegsfreiwilligen nicht in klarbewußter Entſcheioung getroffen worden? Ja, es ging damals wie ein Sturm durchs Land. Die heilige Flamme lohte hell empor— Fragen und Bedenken fortſcheuchend, wie wenn der Wolf die Herde ſcheucht. Am ſtärkſten packte— Gott ſei Dank— der Sturm die akademiſche Jugend. Mochten andere bedacht⸗ ſam zurückhalten, Kückſichten des Erwerbs, des Berufs, der Familie folgend, an den deutſchen Hochſchulen war dafür kein Raum. Und dennoch wäre nichts falſcher, als jenen flkade⸗ mikern, die zum Heere eilten, den klaren, eigenen Willens⸗ entſchluß zu beſtreiten. Trotz allem mußte jeder Einzelne für ſich den Entſchluß faſſen, durchſetzen und ausführen. Jeder einzelne hatte den Kampf mit ſich ſelbſt, mit ſeinem Lebens⸗ willen und ſeiner Zukunftsſehnſucht auszufechten. Jeder ein⸗ zelne mußte wollen.
Ooͤer hätten die nderen nicht gewollt, die in den ſpäteren Kriegsjahren den feloͤgrauen Rock anzogen? Die Flut der Be⸗ geiſterung trug ſie weniger denn jene. Und in ſo jungem Rlter erreichte ſie oer Ruf des Laterlanos, oaß zu freiwilligem Eintritt ins Heer keine Friſt blieb. Sie gehorchten der Pflicht. Haben ſie darum nicht gewollt? So wenig wie Begeiſterung und Wollen, ſo wenig ſind Pflicht und Wille Gegenſätze. Der Kampf mit ſich ſelbſt mag manchem ſpäter ſchwer geworden ſein; aber der Wille ſiegte.
Sie haben gewollt. Was war ihres Wollens Inhalt? Ein einziges Wort zeigt ihn an: Haterland. Ein Wort, faſt abgebraucht, zuweilen gemißbraucht. Ein Wort, das ebenſowohl die Hülle für ſchnöden Eigennutz bilden kann— Ubi bene ibi patria—, wie es für Unzählige den Gegenſtand ſelbſt⸗ loſeſter Hingabe bedeutet. Ein Wort, das die Erinnerung an die deutſchen Berge, Ströme und Wälder ebenſo lebendig macht wie das pietätvolle Gedenken an die Großen im Reiche


