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Trauerfeier für die Gefallenen der Ludwigsuniversität in der Neuen Aula am Totensonntag 1919 / [Ansprache des Rectors Prof. Dr. Karl Kalbfleisch, Rede des Prof. D. Dr. Martin Schian, Ansprache des Vorsitzenden des Gesamtausschusses der Studentenschaft std. rer. pol. Otto Estenfeld]
Entstehung
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verbundenen vor andern nahe; wir hatten ihn wohl auch während des Kriegs aus Briefen oder gelegentlichem perſön⸗ lichem Verkehr lieb gewonnen; es war uns bitter, zu wiſſen, daß auch er nicht heimkehren ſollte. Aber ſelbſt dieſe Trauer⸗ nachrichten waren für uns damals nicht bloß Trauernach⸗ richten. Sie waren gleichſam verklärt von der großen Hoff⸗ nung, die über all dem Bluten und Sterben ſtand, der Hoff⸗ nung auf die koſtbare Frucht aus oer wertvollen Saat: auf Deutſchlands geſicherte Zukunft, auf Deutſchlands ragende Herrlichkeit. Heut iſt das anders. Der Schimmer der Ver⸗ klärung erloſch. Jene Hoffnung zerbrach. Wir ſtehen vor lauter Trümmern. Was jene bis in den Tod Getreuen für alle Zeiten verhindern wollten, iſt geſchehen. Keiner von ihnen hat ſich's träumen laſſen, oaß ſo viel Opfer nicht hin⸗ reichen würden, um das alte deutſche Straßburg dem Reich zu bewahren, ja nicht einmal, um den Rhein auch fürder Deutſchlands Strom bleiben zu laſſen, um Franzoſenherrſchaft von Mainz und von Worms fernzuhalten. In Strömen floß das deutſche Blut. In dichten Reihen dahingemäht, deckte die deutſche Jugendò die Schlachtfeléer. Und nicht deutſche Freiheit wuchs aus der Tränenſaat, ſondern deutſche Knechtſchaft; nicht deutſches Glück, ſondern Deutſchlands allerbitterſtes Leid, deutſchen Volkes allerſchmerzlichſte Schmach. Die heſſiſche Jugend ging in den Tod; und im Herzen des Heſſenlandes ſitzt der Feind, und ſchwarze Truppen ſtellen der Ehre deut⸗ ſcher, heſſiſcher Frauen und Mädchen nach. Wenn wir mit dieſen Gedanken unſerer Gefallenen uns erinnern, dann iſt's, als wollte das Herz uns brechen. Wie wollten wir Euch danken, Ihr tapferen jungen Helden, wenn Eures Uebens Hingabe deutſchland gerettet hätte! Aun aber iſt Deutſchland der Spielball ſeiner Feinde. Steht nicht über Eurem Too das furchtbare Wort:Vergeblich!?

Wir möchten uns gern die drückende Laſt der Stunde erleichtern. Wir ſind alſo gern bereit, dem Troſt, oͤen manche bereit haben, unſere Seelen zu öffnen. Sie reden von der inn eren Freiheit, die das deutſche HVolk ſeit dem Ende des

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