Und es erhebt ſich die bange, die fürchterliche Frage: Sind ſie umſonſt gefallen? Sind die entſetzlichen Verluſte umſonſt ge⸗ weſen, die einem der Opferwilligſten unter uns, unſerm ver⸗ ehrten Kollegen Eck, die Goetheſchen Worte abpreßten:„Opfer fallen hier, weder Lamm noch Stier, aber Menſchenopfer un⸗ erhört!“?
Ich will dem Reoner des Tages nicht vorgreifen, aber ſo viel glaube ich doch ſagen zu dürfen: Kein, ſie ſollen nicht umſonſt gefallen ſein, und ſie werden nicht umſonſt gefallen ſein, wenn wir uns ihrer würdig zeigen. Würdig des eölen Blutes, das ſie vergoſſen haben, würdig der bitteren Tränen, die um ſie gefloſſen ſind. Das gilt beſonders auch von Euch,
liebe Kommilitonen. Ihr ſollt Führer ſein- der Reoͤner vom
9. März hat es Euch von dieſer Stelle aus mit flammenden worten zugerufen- Führer ſollt Ihr ſein, und das iſt ſchwer. In dem friedlichen Wettſtreit, auf den wir für lange, viel⸗ leicht für immer angewieſen ſind, ſollt Ihr die Offiziere ſein, und Ihr wißt es von oͤraußen, daß der Offizier immer die ſchwerſte Herantwortung trägt. Beim Wiederaufbau unſeres zuſammengebrochenen Staates ſollt Ihr die Werkmeiſter ſein, und Ihr wißt es aus dem Munde des Ddichters:„hHört der Burſch die Veſper ſchlagen, Meiſter muß ſich immer plagen.“ Ihr ſollt das Salz des neuen Deutſchlands ſein: wenn aber das Salz öumm wird, womit ſoll man ſalzen? Bei dem fin⸗ denken derer, die auf den ſchwarzen Tafeln da oͤraußen ver⸗ zeichnet ſind, beſchwöre ich Euch: bedenkt es immer, vergeßt es nie: des deutſchen Volkes Würde iſt in Eure Hand gege⸗ ben, bewahret ſie!
Heute, am Totenſonntag, laßt uns den Toten geben, was der Toten iſt. Dann aber wollen wir alle der Mahnung ein⸗ gedenk ſein, die ich vielen von Euch ſchon aus anderem An⸗ laß zugerufen habe:
gaßt Euch kein Leid mehr kümmern, Kommt alle froh zu Hauf Und baut aus Schutt und Trümmern Die deutſche Zukunft auf!


