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Die Giessener Beteiligung an dem Fichteschen Atheismusstreit / eingereicht von Friedrich Herweck, geboren in Darmstadt
Entstehung
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Dieser lebendigen und wirkenden Weltordnung setzt Schmidt aus dem Wortschatz der Dogmatik den Be- griff der Vorsehung gleich. Er hat dabei wohl an die Reden Jesu, vor allem die sog. Bergpredigt gedacht:*) Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehne denn ihr ihn bittet oderkauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Doch fällt derselben keiner auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure faare auf dem Haupte alle gezählt.) Es ist dasselbe, Was Riente selbst gegen Ende seines Aufsatzes anführte(V. 188). Schmidt will noch auf eine zweite Art die Haltlosig- keit der Anklage gegen ijene StelleJene moralische Ordnung ist Gott selbst dartun. Er benutzt dazu die Fichtesche Wissenschaftslehre, deren Terminologie er in jenen Satz substituiert:Gott ist das absolute Han- deln, das die Geisterwelt konstituiert, hält und der abso- luten Vollkommenheit entgegenführt(S. 25, 20), d. II. bei Fichte ist die sittliche Weltordnung die Gottheit, die nach der Wissenschaftslehre als Sein nicht gedacht wer- den kann, sondern als das Tun des reinen Ich.) Zur Er- läuterung fügt Schmidt noch an:Nicht sein sondern handeln ist nach dem System der Wissenschaftslehre das Höchste(26). Vergleicht man Fichtes Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre, z. B. I. 95, 96, 102, 103, besonders 119:Darin besteht nun das Wesen der kritischen Philosophie, daß ein absolutes Ich als schlecht- hin unbedingt und durch nichts höheres bestimmbar auf- gestellt werde und System der Sittenlehre IV. 212:leh soll ein selbständiges Ich sein: dies ist mein Endzweck; und alles das wodurch die Dinge diese Selbständigkeit befördern, dazu soll ich sie benutzen, das ist ihr End zweck, ferner über Tathandlung I, 91 und über Sein 1I, 499, so wird man eine Ubereinstimmung Schmidts mit Fichte finden. Schmidt betontNicht sein sondern handeln ist das Höchste, und Fichte wieder holt in seiner Verantwortungsschrift(V, 258 ff., insbe- sondre 261):Er(Gott) ist kein Sein sondern ein reines

1) Vgl. Schmidts Dogmatik, S. 126, 127. 2) Ev. Matth. V. S und X, 29, 30. s2) Vgl. Windelband, Gesch. d. n. Phil., Bd. II, S. 226.