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Die Giessener Beteiligung an dem Fichteschen Atheismusstreit / eingereicht von Friedrich Herweck, geboren in Darmstadt
Entstehung
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sen. Fichte den Willen. Zu diesem Unterschied be- merkt Schmidt in einer Anmerkung(S. 24):Kant hat wohl nie etwas anders sagen wollen als das, Was Fichte gesagt hat, ob es gleich die meisten nicht in seinen Worten gefunden haben. Er identifiziert den Kantischen Begriff der Glückseligkeit mit dem Fichteschen von der Ausführbarkeit des Zweckes. Die Erklärung des Begriffes Glückseligkeit durch Kant selbst gibt Schmidt allein schon recht:Glückselig- keit ist der Zustand eines vernünftigen Wesens in der Welt, dem es, im Ganzen seiner Existenz, alles nach Wunsch und Willen geht, und beruhet also auf der Über- einstimmung der Natur zu seinem ganzen Zweck, im- gleichen zum wesentlichen Bestimmungsgrunde seines Willens.)) Ausführung des Zweckes bei Fichte ist Übereinstimmung der Natur zu seinem Zweck bei Kant oder UÜbereinstimmung der Natur zumwesentlichen Be- stimmungsgrunde seines Willens. Also auch Kant läßt den Willen nicht unerwähnt. Dazu kommt noch, daß das Wissen vom Willen abhängig ist; Wissen kann nicht entstehen, wenn kein Wille zum Wissen vorhanden ist.²)

In seinem ersten Teil hatte Fichte die Gewißheit des Glaubens an die Gottheit festgestellt; in dem zweiten Teil seines Aufsatzes ging er auf den Inhalt dieses Glau- bens ein.Der jetzt abgeleitete Glaube ist aber auch der Glaube ganz und vollständig. Jene lebendige und wir- kende moralische Ordnung ist selbst Gott; wir bedürfen keines anderen Gottes und können keinen anderen fassen (V. 186). Dies war eine der angeschuldigten Stellen,) wohl diejenige, die hauptsächlich den Grund zur Anklage des Atheismus lieferte. Schmidt geht deshalb aus- jührlich auf diese Stelle ein. Zunächst erklärt er den BegriffOrdnung. Nicht eineruhig daliegende Ord- nung hat Fichte gemeint, wie etwadie Ordnung der Steine auf dem Schachbrette oder die Ordnung der Räder in dem Uhrwerk, sondern eine lebendige und wir-

¹) Kant, Kritik der praktischen Vernunft, Riga 1792, S. 224.

2) Vgl. Heinr. Rickert, Fichtes Atheismusstreit und die Kan- tische Philosophie, Kantstudien IV, 147 ff.

a) Vgl. Fichtes Leben II, S. 77 ff.