Wege stehen könne“(S. 23). Zuversicht und Vertrauen entstehen, daß alles,„auch die Zersetzung des Körpers“ nicht schaden kann, sondern jede Lage ist darauf berech- net,„damit dadurch die Erreichung deines Zweckes be— fördert werde, wenn du nur deinem Gewissen folgest“ (S. 23). In seiner Dogmatik(S. 5) aus dem Jahre 1800, also ein Jahr später, hat sich Schmidt eng an diese Ausführungen angeschlossen. Er nennt dort dies Gefühl der Gewißheit das religiöse Gefühl, den praktischen Glau— ben. Fichte hatte„die Uberzeugung von unsrer mo- ralischen Bestimmung Glauben“ genannt(V. 182), woraus Schmidt zu dem Schluß kommt:„So weiset Fichte den Grund unsres Glaubens an Gott in dem Gewissen nach“(S. 24). Schmidt verweist hier wieder auf Kant, und zwar auf dessen Kritik der praktischen Ver- nunft, wo das Dasein Gottes„als ein Postulat der reinen praktischen Vernunft“ behandelt wird.) Durch die Frage:„Wird es nicht bemerkt, daß hier, um zur Ge- wißheit dieser moralischen Weltordnung oder der Gott- heit zu gelangen, der moralische Vorsatz gefordert wird,“ weist Schmidt auf einen vermeintlichen Unterschied dieser Lehre Fichtes mit dem von Kant aufge- stellten Postulat der praktischen Vernunft hin, den Schmidt allerdings selbst nicht anerkennen will. Nach Kamt kann ich die Gewißheit einer Sache erlangen „theoretisch nur dadurch, daß mir die empirische Wirk- lichkeit oder die logische Notwendigkeit einleuchtet, praktisch nur dadurch, daß die moralische Notwendigkeit sich mir unmittelbar aufdrängt“*) oder wie Sch midt sich einfacher ausdrückt:„durch das bloße Denken soll die Gewißheit begründet werden“(S. 24). Anders Fichte. Habe ich mir die Ausführung meines Zweckes vorgenommen, besteht also der Wille bei mir, dann habe ich in demselben Augenblick die Ausführung bereits be- gonnen; denn„beides sind in der Tat nicht zwei Akte, sondern ein und derselbe unteilbare Akt des Gemüts“ (V, 183). Kant betont demnach das Denken, das Wis-
¹) Ausgabe von 1792, S. 223. l
*) Paulsen, Kant der Phi Soph des Protestantismus, in Kant- sStudien IV, S. 10.


