II.
Die Schmidtsche Nachricht an das ununterrichtete Publikum, den Fichteschen Atheismus betreffend.
KEs soll hier die Lehre der angesehensten Theologen unsrer Kirche vorgetragen, und das, was Fichte ge- sagt hat, damit verglichen und erläutert werden“(S. 2). Diese Absicht leitet Schmidt die ganze Schrift hin- durch. Fichte begann seinen Aufsatz damit, daß er sich gegen die seither üblichen Beweise einer göttlichen Weltregierung wandte; der Glaube geschieht beim Men- schen ohne dessen Zutun. Die Philosophie kann den Glauben nur als Tatsache voraussetzen und hat dann nur die Kausalfrage zu beantworten: Wie kommt der Mensch zu diesem Glauben?(V 178, 179.) Schmidt stellt dieser Auffassung die Lehre von der notit ia natu- ralis Dei zur Seite, wie sie sich bei den Dogmatikern der lutherischen Orthodoxie Chemnitz), Hutte r*) und Gerhard“) findet. Die notitia kann nach den Lehren dieser protestantischen Theologen*) zweierlei Art sein: insita und acquisita, d. h. der Glaube an Gott ist von allem Anfang an in dem Menschen, oder er
4) In der mir durch die Großh. Hofbibliothek, Darmstadt zu- gängig gewesenen Ausgabe: Loci theologici Martini Chemnitii, Francofurti et Wittebergae 1653. befindet sich die von Schmidt herangezogene Stelle auf S. 20.
²) Die Nachprüfung dieser Stelle, bei der mir die Ausgabe„Lo- corum Theologicorum“, Wittebergae 1619 vorlag, ergab ihre Rich- tigkeit: S. 89.
a) Für die Johannis Gerhardi Loci Theologici steht mir eine Ausgabe Tubingae 1762 zur Verfügung. Die von Schmidt erwähnte Stelle findet sich auf S. 93/94.
*) Vgl. Gust. Frank., Geschichte der prot. Theologie. Teil 1,
5
S. 381.


