11
2. Die UÜbersetzung.
Der amtliche Depositor der Hochschule zu Gießen in Hessen Andreas Gregorius Daniel Kohlermann entbietet dem Leser seinen besten Gruß.
Es ist eine ganz eingebürgerte und seit Menschen- gedenken bewährte Sitte, daß man in akademische Vereinigungen durch gewisse Bräuche einführt, wozu in erster Linie die Deposition gehört, durch welche Widmung und Weihe die Neulinge in dem Vorhof zugerichtet werden, damit sie desto geschniegelter und gebügelter in das akademische Festgemach Kkommen. Dadurch werden die Ankömmlinge„in Neu- bruch“ genommen und daran erinnert, daß die Stu- dien nicht von A bis Z in eitel Freude und Wonne verlaufen, sondern daß der Anfang schwer, der Fort- gang bitter und erst der Ausgang vergnüglich ist. Nicht ohne Grund ist dergestalt von den Altvorderen eine UÜbung und Regel geordnet worden, die uns in der Länge der Zeiten auf einem beträchtlich langen Wege von den Athenern überkommen ist. In Athen, dem Paradiese Griechenlands, haben die ersten Depo- sitoren das Licht des Lebens erblickt, und aus dieser ersten Wiege herausgestiegen, sind sie in der Folge nach Italien und von da in unser Deutschland ge- wandert. Wenn er also auch nur durch sein bloßes Alter ehrwürdig wäre, dieser Brauch der Deposition, so könnte derselbe sicherlich gegen Spötter und Ver- ächter verteidigt werden, die ihn mit ihrem Hohne verfolgen und ihn von der Hochschule verbannt wissen wollen: ist er doch eine Vorschule und ein Vorspiel der ernsten Kämpfe der Gelehrsamkeit. 80 ist einst der Scythe Anacharsis, als er die jungen Athener, die sich unter einander herumbalgten und dafür mit Obstern und Kränzlein beschenkt wurden, in Rüpelmanier verlachte, mit Recht von Solon, dem


