Druckschrift 
Ein akademischer Gesellenbrief / von Wilhelm Flegler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1

damals weisesten Griechen, den zu hören er eignes nach Athen gekommen war, daran erinnert worden, daß solche spaßhaften Übungen der Jugend nicht zu verlachen seien, da durch sie die lebhaften, nach Lob und Tugend verlangenden Geister zu höheren Dingen angereizt würden. Auch heute könnte man Viele finden, die dem Anacharsis gleich unsere akademische Einrichtung als einfältig verschreien. Doch wie Solon dem Skythen erwiderte, also auch wir. Der weise Mann trat ein für das Recht festfeierlichen Spieles, das auf altem Herkommen ruhte, und wollte nicht, daß der Sitten alte Grenzen verrückt würden. So halten wir's gleichfalls, von Ehrfurcht erfüllt vor der akademischen Vorzeit, die jene Sitte der Depo- sition uns in die Hand gelegt und anvertraut hat. Hat doch jedes Ding seine besonderen Bräuche. Den Bischof schmückt man mit Inful und Stab: welch wenig ansehnliche Insignien des bedeutsamen Amts! Auch Gregor von Nazianz und Basilius haben sich nicht unterstanden, zu Athen sich dem heiligen Ilch zu entziehen.

So hat auch dem löblichen Brauch der Deposi- tion nicht Widerstand geleistet der hochedle Herr Karl Jakob Georg Jeremias von Zang aus Gießen, der sich aus freien Stücken dieser akade- mischen Sitte unterzogen hat und, durch ebendie- selbige nun eingeweiht, in die Zahl der Studiosen aufgenommen worden ist. Was gegenwärtige Ur- kunde des amtlichen Depositors mit beigedrücktem Siegel bestätigt. Gegeben Gießen in Hessen den 15. April 1763.

Das am Schluß der Urkunde erwähnte Siegel trägt ein mit den verschiedenen Depositionsinstru- menten Säge, Zange, Axt, Kamm, Hobel usw. geziertes Wappen, über dem ein gekrönter Engel,