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gewöhnen. Wer es nicht näher kenne, dem scheine es ja arg zu sein; es sehe sich aber schlimmer an, als es wirklich sei. Schließlich zöge die ganze Gesell- schaft mit dem Angekommenen in feierlichem Zuge in das öffentliche Bad. Dort entstünde nun ein wildes Durcheinander. Die einen täten so, als wollten sie dem jungen Genossen den Eintritt wehren, die anderen suchten ihn mit Gewalt hineinzubringen, was ihnen auch schließlich gelänge. Nach dem Bade werde er dann aber von allen aufs freundlichste empfangen und völlig als ihresgleichen betrachtet.
Diese athenische Fuchstaufe ist seit lange als die Wurzel der akademischen Deposition angesehen worden, und es liegt eine große Wahrscheinlichkeit vor, daß ganz bestimmte Fäden von der einen zur anderen hinüberführen. Schade und hernach Fa- bricius haben versucht, die Zwischenglieder zu finden, ohne daß es gelungen wäre, das Dunkel an allen Punkten zu erhellen. So viel ist sicher, daß die Form, die der Weihe am Ausgang des Mittelalters auf den deutschen Hochschulen gegeben worden ist, ihr Vorbild in den Handwerksgebräuchen hat, wie sie jahrhundertelang beim Übergang des Lehrlings in den Stand des Gesellen üblich gewesen sind. Das rechtfertigt es, unsere Depositionsurkunde scherzweise als einen Gesellenbrief zu bezeichnen.
Ihr Empfänger war, wie gesagt, der Großoheim unseres Gustav von Zangen. Die Familie schrieb sich früher von Zang und von Zangen, man nahm es eben mit der Orthographie der Eigennamen in früheren Jahrhunderten so wenig genau, wie mit derjenigen der Wörter überhaupt. Sie stammt aus Frankfurt; dort sind die v. Zangs schon am Anfang des 16. Jahrhunderts nachweisbar. Dann trat im Jahre 1714 ein Jeremias von Zang in landgräflich


