sich der junge Fuchs von seiten der älteren Semester gefallen lassen mußte. Der Depositor war ein Beamter der Universität, neben ihm war auch noch der Dekan, in der Regel derjenige der Artistenfakultät, bei der Handlung tätig. Sie war, wie man sie auch schon, halb im Scherz und halb im Ernst, genannt hat, die Reifeprüfung der guten alten Zeit.
Über ihre Herkunft ist viel geforscht und viel gefabelt worden; das unten mitzuteilende Schriftstück selbst behauptet, daß die ersten Depositoren in dem alten Athen ihre Tätigkeit entfaltet hätten. Das klingt lächerlich, und doch ist etwas Wahres daran. Der angesehene Sprachforscher Oscar Schade, der auch die Deposition zum Gegenstand einer gelehrten Untersuchung gemacht hat, hat diese akademische Sitte in den weiten Rahmen der Jünglingsweihen gestellt, wie sie bei den verschiedensten Völkern und schon in alten Zeiten gefunden werden. Gerade aus Athen ist ein Brauch bezeugt, der speziell als aka-— demische Jünglingsweihe anzusehen und in dieser Hinsicht mit der Deposition auf eine und dieselbe Linie zu stellen ist. Seinen Verlauf lernen wir merk- würdigerweise in einer Leichenpredigt kennen, die ein alter Kirchenvater seinem verstorbenen Studien- genossen und Freunde gehalten hat. Gregor von Nazianz erzählt in seiner Rede auf Basilius den Großen, wie es ihnen beiden in Athen ergangen sei, als sie dort hinkamen, um ihre Studien bei einem der daselbst wirkenden Sophisten zu machen. Dort werde jeder Ankömmling sofort von älteren Schülern eines dieser Sophisten in Beschlag genommen und für den Lehrer gekeilt. Damit seien zugleich mannig- faltige Neckereien, bald gröbere, bald feinere, ver- bunden. Man wolle dadurch dem Neuling das in ihm vorhandene Selbstgefühl nehmen und ihn an Gehorsam


