Druckschrift 
Ein akademischer Gesellenbrief / von Wilhelm Flegler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

an den vor zwei Jahren aus unserem Kreise Ge- schiedenen bei uns weiter lebendig zu erhalten.

Was es mit der Deposition, deren Vollzug das Schriftstück bescheinigt, für eine Bewandtnis hatte, wird im allgemeinen bekannt sein. Sie bestand in einer Reihe von Handgreiflichkeiten, die einer beim Aufzug auf die Hochschule über sich ergehen lassen mutßte, ehe er als wirklicher civis academicus gelten konnte. Wilhelm Fabricius, der in den neunziger Jahren eine von umfassenden Studien zeugende Monographie überdie akademische Deposition ha erscheinen lassen, beschreibt ihren Verlauf folgender- maßen: Die Beane(so hießen die Neulinge) wurden in einer Verkleidung, deren wesentlichstes Stück ein Hut mit Hörnern war, von dem Depositor in den zur Handlung bestimmten Saal geführt. Nach mannigfachen Vexationen wurden die Hörner abgeschlagen, abge- stoßen, abgelaufen oder abgeschliffen(davon depositio cornuum), große Zähne(Bachantenzähne) den Beanen in den Mund gesteckt und ausgerissen, dann die Körper der Neulinge mit verschiedenen monströsen Handwerksinstrumenten von Holz unsanft bearbeitet, ferner wurde sinnbildlich eine gründliche Reinigung und Verschönerung vorgenommen. Scbließlich erklärte der Dekan nach einer Prüfung und Ermahnungsrede die Deponierten für Studenten, indem er ihnen Salz sal sapientiae und Wein vinum laetitiae aufs Haupt goß und sie feierlich vom Beanismus lossprach oder absolvierte. Nach Erledigung einer bestimmten Gebühr für die Deposition erfolgte die eigentliche Immatrikulation durch den Rektor und der Aufnahmeeid.

Aus dieser Schilderung ergibt sich, daß die Deposition mit all ihren Sonderbarkeiten ein ganz offizieller Akt war, und nicht etwa eine Hänselei, die