— 18—
Werden nun die genannten drei Momente auch in Zu⸗ kunft von gleichem Einfluß ſein? Ich bezweifle das. Eine zentrale Lage haben auch andere Hochſchulſtädte, wie Hanno⸗ ver und Leipzig. Außerdem lehrt die Frequenz von München und der Frequenzaufſchwung von Freiburg i. B., daß es auf die geographiſche Lage immer weniger ankommt. In dem Augenblick, wo alle Veterinärſtudenten die gleiche Vorbildung haben müſſen wie die anderen Studenten, namentlich die Medi⸗ ziner, fällt der jetzige Kampf um die Gleichberechtigung, der Gießen ſo viele Veterinäre zugeführt hat, weg. Es liegt kein Grund vor, den Veterinären dieſe Gleichberechtigung in Zu⸗ kunft vorzuenthalten. Es liegt auch kein Grund vor, daß in denjenigen Städten, wo eine organiſche Verbindung von Uni⸗ verſität mit Veterinärlehranſtalt möglich iſt, eine ſolche Verbin⸗ dung nicht angebahnt wird. Und endlich wird man den Veterinären auf die Dauer die Möglichkeit der Doktorpromo⸗ tion nach heſſiſchem Muſter nicht verſagen können. Zwar hat Herr Miniſterialdirektor Dr. Althoff vom preußiſchen Kul⸗ tusminiſterium bei der letzten Budgetberatung des Preußi⸗ ſchen Abgeordnetenhauſes dieſe Frage ſehr von oben herab verneint, indem er ſagte, der Gießener Doktortitel ſei eine Sin⸗ gularität, deren übertragung auf andere Hochſchulen ihm weder notwendig, noch angebracht erſcheine. Die Einführung des Dr. med. vet. an den preußiſchen Univerſitäten ſei aber ſchon darum untunlich, weil dort keine Veterinärwiſſenſchaft gelehrt werde.—
Ich glaube nicht, daß dieſe Angelegenheit mit ſolchen Redensarten abgetan iſt. Nachdem die techniſchen Hochſchulen im ganzen Reiche das Promotionsrecht erhalten haben, werden auch die Tierarzneihochſchulen dieſes Recht fordern, und ſie können es fordern, nachdem zu dem ſiebenſemeſtrigen Studium auch das Erfordernis des Reifezeugniſſes getreten iſt. Sie werden ihr Ziel mit der Zeit gewiß erreichen.—
Alle dieſe Errungenſchaften und Reformen, die man im Intereſſe des Standes der deutſchen Tierärzte nur willkommen


