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Die Entwickelung des Studiums der Veterinärwissenschaft an der Landesuniversität Gießen : ein Nachwort zu meiner "Festschrift" vom 25. Mai 1902 / von Professor Dr. M. Biermer
Entstehung
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heißen kann, werden m. Er. die Folge haben, daß in Zukunft kein beſonderer Anlaß mehr vorliegt, Gießen als das Eldorado der Veterinäre anzuſehen. Ich ſchließe dieſe Betrachtung alſo wiederum mit einer ſtatiſtiſchen Prophezeihung, die ich, wie folgt, formulieren will:

1. Die Studierenden der Veterinärwiſſenſchaft werden in ganz Deutſchland in den nächſten Jahren an Zahl ſtark zu⸗ rückgehen, weil dieſes Studium den Immaturi vejſchloſſen bleibt.

2. Die Frequenz der Univerſität Gießen wird unter dieſen Umſtänden beſonders in Mitleidenſchaft gezogen werden, weil die ausſchlaggebenden Gründe, weswegen Gießen bisher be⸗ vorzugt worden iſt, in Wegfall kommen, zumal wenn andere Univerſitäten, wie z. B. Leipzig, den Veterinärunterricht organiſch mit der Geſamtuniverſität verbinden, wie es dort in gewiſſem Umfange ſchon mit der Handelshochſchule geſchehen iſt.

3. Auch die Einrichtung des Dr. med. vet. in Gießen wird auf die Dauer keineSingularität mehr bleiben, trotz der abſprechenden und ablehnenden Haltung des Herrn Miniſterial⸗ direktors Dr. Althoff.

4. Die Neu⸗ und Erweiterungsbauten für den veterinär⸗ wiſſenſchaftlichen Unterricht in Gießen ſind zu einer Zeit in Anregung gebracht worden, wo man noch nicht wiſſen konnte, daß die Vorbedingungen des Studiums verſchärft werden würden. Die Baupläne und ihre finanzielle Unterlage rech⸗ neten mit der hohen Frequenz der letzten Semeſter wie mit einer konſtanten Größe. Der einmal gefaßte Plan iſt aber trotz rechtzeitig geäußerter Bedenken auch dann aufrechterhalten worden, als man wiſſen mußte, daß die neue Prüfungsord⸗ nung auf die Frequenz ungünſtig zurückwirken würde. Ich habe darauf, wie erinnerlich ſein wird, in meiner SchriftDie Finanzen des Großherzogtums Heſſen, die vor der Verab⸗ ſchiedung des letzten Budgetgeſetzes erſchienen war, hingewieſen und auf eine finanzielle Reviſion des Bauplanes gedrungen. Man hätte vielleicht die Hälfte der jetzt ausgeworfenen Summe ſparen können und hätte trotzdem die dringlichſten Bedürfniſſe