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den Erhebungen des Deutſchen Landwirtſchaftsrates um⸗ faßt der Ertrag aus Vieh und Viehprodukten 40,6%, der aus Getreideverkauf 26,4%, der aus anderen Ackerfrüchten 16,3%. Erwägt man, daß die kleineren und kleinſten Wirt⸗ ſchaften bei dieſer Feſtſtellung kaum zu Worte gekommen ſind, und daß die Viehzucht um ſo eifriger betrieben wird, je kleiner die Wirtſchaft iſt, ſo wird man ſagen können, daß ſchon jetzt die deutſche Viehzucht einen größeren Verkaufswert erzielt, als der deutſche Ackerbau.—
Dieſe agrarpolitiſchen und agrarſtatiſtiſchen Betrachtungen ſollen darauf hinweiſen, welche Prognoſe man dem veterinär⸗ wiſſenſchaftlichen Studium ſtellen kann. Es gibt aber noch mancherlei andere Geſichtspunkte, welche die Behauptung, daß nach einem vorübergehenden Rückgange dieſes Fach wieder einen gewiſſen Aufſchwung erleben wird, ſtützen könnten. Die gemachten Andeutungen mögen vorläufig genügen. Man muß im übrigen unterſcheiden zwiſchen der Frequenz des Ve⸗ terinärſtudiums im Allgemeinen und ſpeziell in Gießen. Zu⸗ erſt wird die Tatſache zu erklären ſein, warum gerade in Gießen die Zahl der Veterinäre ſo überaus raſch geſtiegen iſt. Ich wieder⸗ hole hier einige Zahlen, die ich in der ominöſen„Feſtſchrift“ vom 25. Mai 1902 bereits beſprochen habe. Das Veterinär⸗ ſtudium an der heſſiſchen Landesuniverſität beſteht ſeit 1828 ununterbrochen, bot aber lange Zeit nur beſcheidene Zuhörer⸗ ziffern. Bis 1866 wurde die Zahl 30 niemals erreicht, und die Zahl 20 wurde nur im Jahre 1866 überſchritten. Von 1867— 1883 weiſt der Halbjahrsdurchſchnitt nur 12 Veterinäre auf. Die eigentliche Zunahme der Veterinärmediziner, die für die Frequenzſtatiſtik der Gießener Hochſchule als beſonders charakteriſtiſch erachtet werden muß, ſetzte, ſoweit ſie andauernd iſt, erſt Sommer 1896 ein und ſtieg von dieſem Zeitpunkte geradezu ungeſtüm auf das Vierfache, nämlich auf 180 im Sommerſemeſter 1902. Im Winterſemeſter 1902/3 war die Zahl der Veterinäre um eine Kleinigkeit, nämlich auf 175, herabgegangen, die Zahl der Immaturi dagegen auf 151 ge⸗


