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lichen Defizit arbeitet. Dieſer Tatſache gegenüber muß man Staatsregierung und Ständen doppelten Dank wiſſen, daß ſie ſich damit einverſtanden erklärt haben, daß das kleine Land in richtiger Bewertung ſeiner Kulturaufgaben immer neue Opfer für zwei große und blühende Hochſchulen bringt. Wenn man aber dieſe Staatsausgaben ſcheiden will in notwendige und weniger dringliche, ſo rehne ich die Ausgaben für das Veterinärſtudium unbedingt zu den letzteren. Eine ganze Reihe Bundesſtaaten kommen ohne Tierarzneiſchulen aus. Der heſſiſche Staat aber glaubt, ſich die Unterhaltung eine Sonder⸗ fakultät leiſten zu können, und die Folge ihres Frequenzauf⸗ ſchwunges ſind koſtſpielige Neubauten. Ein wirkliches Landes⸗ bedürfnis für dieſelben liegt nicht vor, denn von den 176 Veterinären, die in Gießen ſtudieren, ſtammen nur 22 aus dem Großherzogtum.
6. Endlich habe ich die Berechnungen, die der Herr Ein⸗ ſender über die Jahresausgaben des heſſiſchen Staates für das Veterinärſtudium gemacht hat, etwas näher zu betrachten. Er hat aus dem heſſiſchen Haushaltsgeſetz für 1902/03 aus⸗ gerechnet, daß für das Tierarzneiſtudium nur 23 615 Mark ausgeworfen ſeien. Wie er oder ſein Gewährsmann, der offen⸗ bar noch nicht oft einen Etat zu Geſicht bekommen hat, zu dieſer Ziffer kommt, iſt mir unerfindlich.
Hier wäre ein Privatiſſimum über Budgetverhältniſſe ſehr wohl am Platze. Bekanntlich unterſcheidet man zwiſchen einem Ordinarium und einem Extraordinarium; erſteres für laufende Ausgaben, letzteres für einmalige größere. Im Or⸗ dinarium ſind diesmal 43 445 Mark vorgeſehen, das iſt bei⸗ nahe doppelt ſo viel, als oben angegeben. Sehr wichtig iſt aber auch das Exrtraordinarium. Dort findet ſich als erſte Rate für Neubauten der Veterinärinſtitute eine Summe von 150 000 Mark. Weitere 450 000 Mark ſind für dieſe Neu⸗ bauten, die jetzt als unentbehrlich erachtet werden, beſtimmt in Ausſicht genommen, und die Heſſiſchen Stände haben dieſe Forderung bereits im Prinzipe gebilligt. Vorausſichtlich wird


