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Mein Konflikt mit den Gießener Veterinären und der medizinischen Fakultät daselbst : eine aktenmäßige Darstellung der in Frage kommenden Vorgänge mit einem kritischen Nachwort / von Dr. jur. et phil. M. Biermer, o. ö. Professor der Nationalökonomie und Statistik
Entstehung
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ſpielen belegen, wollen indeſſen eine ſolche Unterſuchung hier unter⸗ laſſen. Doch möchten wir wenigſtens andeuten, daß dieſe eigen tümliche Erſcheinung nicht nur auf Zufälligkeiten und Außerlich⸗ keiten beruht. Nicht ſelten kommt es nämlich vor, daß die Aſſi⸗ ſtenten und Mitarbeiter eines hervorragenden Lehrers, die am Orte bleiben, alſo gleichſam die Schule vertreten und fortſetzen, manchmal größere Lehrbefähigung und in erſter Linie auch mehr Zeit und Friſche haben als der Chef ſelbſt. Und ſo dürfte es ſich erklären, daß die Zahl der Chemiker und Pharmazeuten in Gießen auch nach dem Jahre 1852, wo Liebig Gießen verließ, um nach München überzuſiedeln, noch eine ganze Reihe von Jahren ſich auf verhältnismäßig namhafter Höhe bewegte.

In der abſteigenden Kurve von 1847 bildet das Jahr 1861 mit 335 Studenten den Tiefpunkt. Dann erholt ſich die Frequenz wieder langſam bis 1866 und ſinkt von da aus wiederum fort⸗ geſetzt, wenn man von dem Kriegsjahre 1870/71 abſieht, bis zum Jahre 1872. 1851 verſchwanden die katholiſchen Theologen und wurden kaſernirt. 1837/38 kommen die Architekten als Gießener Studenten auf, heben ſich langſam auf die Zahl 20, ſinken ſtark in den 50er Jahren und erreichen ihren Höhepunkt im Winter 1866/67 mit 32 Hörern, welche Zahl dann in den 70er Jahren ſtark heruntergeht, bis dann im Sommer 1875 das techniſche Studium an der Landesuniverſität zu Gunſten der Techniſchen Hochſchule ganz eingeht.

Am meiſten intereſſiert uns natürlich die letzte Phaſe der Entwickelung der Gießener Univerſität; alſo diejenige, die einſetzt etwa nach dem größten Tiefſtand anfangs der 70er Jahre und bis zur jüngſten Gegenwart hinführt. Dieſe Zeit ſeit Gründung des deutſchen Reiches zerfällt in drei Abſchnitte, die Periode von 1873 1880, die Periode von 1880 1896 und endlich die letzte und markanteſte Periode von 1896 1902. In dem Zeitraum von 18721880 bewegt ſich die Frequenz der Univerſität zwiſchen 304 und 374 Inſkribierten. Im Durchſchnitt dieſer Jahre wird die zweite Hälfte des vierten Hunderts nicht erreicht. Dieſer Standpunkt bleibt der zweiten Periode vorbehalten. Das vierte