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Mein Konflikt mit den Gießener Veterinären und der medizinischen Fakultät daselbst : eine aktenmäßige Darstellung der in Frage kommenden Vorgänge mit einem kritischen Nachwort / von Dr. jur. et phil. M. Biermer, o. ö. Professor der Nationalökonomie und Statistik
Entstehung
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Hundert wird im Sommer 1881 erreicht, und bereits drei Jahre ſpäter gelangt die Frequenz in das fünfte Hundert, welche Zahl in den folgenden 26 Semeſtern nur einmal nach unten(Winter 1886/87) und einmal nach oben(Sommer 1889) verlaſſen wird. Von 18841896 zeigt alſo die Frequenz ein eigentümliches Beharrungsvermögen. Es iſt eine Stillſtandsperiode, in der Gießen zu den kleinſten deutſchen Univerſitäten mit einer Durchſchnitts⸗ frequenz von ungefähr 550 Studenten gehört. Dieſe zweite Stufe iſt fernerhin im Gegenſatz zu der früheren Zeit auch dadurch ausgezeichnet, daß Gießen, freilich in beſcheidenem Umfange, den Charakter derSommeruniverſität annimmt, d. h. daß faſt ſtets die Sommerfrequenz ſich gegenüber derjenigen in den Winter⸗ ſemeſtern hebt. Dieſen Charakter der Sommeruniverſität hat dann Gießen auch in der letzten Periode beibehalten, allerdings lange nicht in dem Umfange wie neuerdings die Univerſität Kiel, wo die Studentenzahl im Sommer ganz regelmäßig auffällig anſchwillt, um im Winter wieder ſtark zurückzugehen. Zu den ausgeſprochenen Sommeruniverſitäten gehörten neben Kiel ſchon längere Zeit Freiburg i. B. und noch länger als Freiburg das jetzt von dieſem überflügelte Heidelberg.

Als letzte und ſeit dem Weggang Liebigs kräftigſte Ent⸗ wickelungsperiode Gießens kann man die Zeit von 1896 1902 bezeichnen. Dieſer Zeitabſchnitt trägt den Charakter eines un zweifelhaften, konſtanten und allgemeinen Aufſchwungs. Gießen rückt mit kräftigen Schritten aus der Reihe der kleinen deutſchen Univerſitäten in diejenige der mittleren ein. Ein friſches Leben pulſiert in allen Teilen der heſſiſchen Landesuniverſität, und ſie nimmt, auf das kräftigſte unterſtützt durch eine fürſorgliche und weitblickende Staatsregierung, den Wettbewerb mit anderen Uni⸗ verſitäten mit unbeſtrittenem Erfolge auf. Es ſind eine Reihe von Momenten, die dieſen Aufſchwung urſächlich erklären können. Einmal deckt ſich dieſe letzte Periode offenſichtlich mit der Moder⸗ niſierung des ganzen heſſiſchen Staatsweſens, die ſich auf allen Gebieten zeigt. Die Staatsregierung und die heſſiſchen Stände

zeigen eine offene Hand für kulturelle Bedürfniſſe. Neue Inſtitute,