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Mein Konflikt mit den Gießener Veterinären und der medizinischen Fakultät daselbst : eine aktenmäßige Darstellung der in Frage kommenden Vorgänge mit einem kritischen Nachwort / von Dr. jur. et phil. M. Biermer, o. ö. Professor der Nationalökonomie und Statistik
Entstehung
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waren 1829 247 immatrikuliert, im Winter 1836/37 nur 53, womit eine Zahl erreicht iſt, die die Univerſität in dem fünften und ſechsten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts ziemlich gleich mäßig innehält. Nebenbei bemerkt, iſt die Zahl der Juriſten des Jahres 1829 niemals wieder erreicht worden. Will man dieſe Zahl mit der gegenwärtigen Frequenz vergleichen, ſo darf man übrigens nicht überſehen, daß früher das kameraliſtiſche Studium blühte, das nunmehr, nachdem kürzlich die beiden letzten Kamera liſten ihre Fachprüfung beſtanden haben, eingeſchlafen iſt. Die Kameraliſten an der Gießener Hochſchule zählten zeitweiſe 60 und mehr Hörer. Sie müſſen alſo, nachdem das kameraliſtiſche Stu⸗ dium aufgehört hat, wenn man Vergleiche mit der früheren Zeit ziehen will, zu einer Geſamtziffer mit den Juriſten herangezogen werden. Die hohe Zahl der Juriſten in den 20er Jahren iſt auch um deswillen auffallend, weil ſie beweiſt, daß die juriſtiſche Fakultät, die, was Frequenz anbetrifft, in neuerer Zeit die dritte Stelle einnimmt, früher die erſte Stelle beanſpruchte. Freilich war früher auch die thatſächliche Freizügigkeit der Juriſten eine erheblich größere als jetzt, und es ſcheint, daß Gießen verhältnis⸗ mäßig mehr nichtheſſiſche Juriſten gehabt hat, als gegenwärtig. Doch wird ſich damit allein die hohe Zahl der 20er Jahre nicht erklären laſſen, man wird vielmehr annehmen müſſen, daß in jener Zeit eine ſtarke Überfüllung des juriſtiſchen Studiums vor⸗ handen war, wahrſcheinlich erheblich ſtärker, als zur Zeit.

Vom Tiefpunkte der Frequenz im Winterſemeſter 1836/37 bis zum Jahre 1866 ſind wiederum beſtimmte Kurven klar er⸗ ſichtlich. Von 1837 1847 ſteigt die Frequenz faſt konſtant. Der Höhepunkt wird im Sommer 1847 mit 570 Studenten erreicht. Ausgezeichnet iſt dieſe Periode einmal dadurch, daß die zahlen⸗ mäßige Parität zwiſchen katholiſchen und evangeliſchen Theologen vorübergehend erreicht wird, und zum andern in der Zunahme der Chemie⸗Studierenden. In jene Zeit fällt die Wirkſamkeit Juſtus von Liebigs. Seine Anziehungskraft äußert ſich nicht nur in der größeren Anzahl von Chemikern und Pharmazeuten, deren Höhepunkt in das Jahr 1843(68 Studenten) fällt, ſondern auch