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zahl für dieſe 45 Jahre, Sommer⸗ und Winterſemeſter zuſammen⸗ gerechnet, ergiebt 402 Studenten.
Das Jahr 1866 darf als der Abſchluß einer beſonderen Epoche der Gießener Univerſität angeſehen werden. Die Neu⸗ ordnung der politiſchen Verhältniſſe Deutſchlands mit der Ein⸗ gliederung Heſſen-Naſſaus und der Stadt Frankfurt in den preußi⸗ ſchen Staatsverband konnte auf die Univerſität Gießen, was Fre⸗ quenz und Rekrutierungsbezirke ihrer Zuhörerſchaft anbetrifft, nicht ohne Einfluß ſein, und ſo ſetzt mit dem Winterſemeſter 1866/67 eine Abnahme der Studentenzahl ziemlich kräftig ein und ver⸗ ſchärft ſich bis zum Anfang der 70er Jahre. Der Verluſt an Studenten, den die heſſiſche Landesuniverſität erleidet, kommt, wie ſich nachweiſen läßt, in erſter Linie der Nachbaruniverſität in Marburg zu gute. Aber auch in dem ganzen achten Jahrzehnt, wo ſich Gießen langſam wieder erholt, gelingt es nicht, die Zu⸗ hörerzahl des Jahres 1866 zu erreichen.
Auch in der genannten erſten Periode von 1823—1866 ſind gewiſſe Kurven, die ſich freilich nur auf Grund genauer archivaliſcher Studien erklären laſſen, zu verfolgen. Von 1823 bis 1829 ſteigt die Frequenz recht erheblich, nämlich von 311 auf 558. Im Sommerſemeſter des Jahres 1829 tritt die Forſtwiſſen⸗ ſchaft als neuer ſelbſtändiger Unterrichtsgegenſtand auf und bringt es gleich im erſten Semeſter auf 52 Hörer. Von 1829— 1837 ſinkt dann die Zahl der Zuhörer wieder ganz erheblich und erreicht im Winter⸗Semeſter 1836/37 für drei Jahrzehnte den größten Tiefſtand mit 290 Studenten. Dieſe Abnahme iſt um ſo be⸗ merkenswerter, als ſeit 1830 neben der evangeliſch⸗theologiſchen Fakultät eine katholiſch⸗theologiſche der Univerſität angegliedert wird, die bis 1851 beſteht. Die Abnahme von 1829—1837 beruht, wie die hier nicht mitgeteilte Fakultätsſtatiſtik ergibt, in erſter Linie auf einer rapiden Abnahme der Juriſten. Ebenfalls nehmen ab, aber lange nicht in gleichem Umfange, die evangeliſchen Theo⸗ logen und die Mediziner; auch die Forſtleute können ſich auf der urſprünglichen Höhe nicht halten. Wie geſagt, iſt hauptſächlich die Abnahme der Juriſten in hohem Grade auffallend. Juriſten


