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Mein Konflikt mit den Gießener Veterinären und der medizinischen Fakultät daselbst : eine aktenmäßige Darstellung der in Frage kommenden Vorgänge mit einem kritischen Nachwort / von Dr. jur. et phil. M. Biermer, o. ö. Professor der Nationalökonomie und Statistik
Entstehung
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auszuſprechen, was die überwiegende Mehrheit der Univerſitäts⸗ lehrer Deutſchlands denkt und grundſätzlich fordert. Mit dieſer Mehrheit halte ich an dem Standpunkte feſt, daß Niemand die Univerſität als vollberechtigter Student beziehen ſoll, der nicht die volle allgemeine Vorbildung für das akademiſch⸗ wiſſenſchaftliche Studium mitbringt. Das Maturitätsexamen hat ſeinen Namen bekanntlich davon, daß es allein dem Stu denten das Recht verſchafft, als reifer cives academicus ſeinen Einzug in die Univerſität zu halten. Man kann das Privileg des humaniſtiſchen Gymnaſiums durchbrechen, man kann andere Vollanſtalten, Realgymnaſien und Ober⸗Realſchulen dem Gym⸗ naſium in vielen oder allen Beziehungen gleichſtellen, man kann ferner den Techniſchen Hochſchulen dasjenige zugeſtehen, was ihnen bisher noch vorenthalten war, und ich bin der Letzte, der auf unhaltbar gewordene akademiſche Zunft⸗ privilegien pocht. Woran man aber feſthalten muß, iſt die abgeſchloſſene allgemeine Bildung, die jeder Univerſitätsſtudent zu präſtieren hat. Eine ſolche abgeſchloſſene Bildung bringt aber das Oberſekundanerzeugnis oder das Zeugnis für Unter⸗ prima keiner Anſtalt. Mir iſt die Bildung, die man durch Abſolvierung einer höheren Bürgerſchule erwirbt, immer noch lieber als diejenige, die dadurch ihren Abſchluß findet, daß man nicht weiter kommt, mit anderen Worten, wo man ſo lange ſitzen bleibt, bis man abgeht. Ich ſehe nicht ein, warum das nicht ausgeſprochen werden ſoll, mag es den Nächſtbetei⸗ ligten angenehm ſein oder nicht. Indem ich und alle andere, die ebenſo denken wie ich, das ſagen, halten wir uns frei von Klaſſen⸗ und Kaſtenurteilen. Ich glaube mich ziemlich gefeit gegen den Vorwurf, in einſeitigen Vorurteilen in ſozialer, wirtſchaftlicher, politiſcher und religiöſer Beziehung befangen zu ſein. Bildungsvorurteile habe ich allerdings und ſchäme mich deren nicht, denn das ſind gar keine Vorurteile, ſondern grundlegende Fragen pädagogiſcher Art, auf denen die Zukunft unſeres ganzen Uniperſitätslebens beruht.

Ein Immaturus in dem eben angegebenen Sinne kann