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ein B— r, und außerdem hat die Redaktion des Gießener An— zeigers, die ſpäter unerklärlicher Weiſe zu erklären ſich bewogen fühlte,„daß ſie ſowohl der Abfaſſung als dem Inhalte der Feſtnummer völlig fern ſtehe“, ihre Extrabeilage, für deren Abfaſſung ſie mir noch brieflich den wärmſten Dank ausge— ſprochen hat, preßrechtlich gezeichnet.
Meine durch Anfangs- und Endbuchſtaben unterſchriebene Studie wurde ſofort als von mir verfaßt erkannt, und zwar nicht nur in Univerſitätskreiſen, ſondern auch außerhalb der⸗ ſelben in Beamten⸗ und Bürgerkreiſen, mit denen ich mancherlei regelmäßige Beziehungen unterhalte. Von den ſehr vielen Perſonen, die ich damals geſprochen habe, erinnere ich mich nicht, daß auch nur Eine zweifelhaft war, daß ich den Artikel geſchrieben habe. Von allen Seiten wurde ich vielmehr direkt auf ihn angeredet, und niemals habe ich ein Hehl daraus gemacht, daß ich für dieſen„Streich“ ganz allein verantwort lich ſei. Ich wüßte auch bis zur Stunde nicht, was mich zu einer ſolchen thörichten Geheimtuerei hätte veranlaſſen ſollen. Ich bereue nach keiner Richtung hin den Aufſatz„ver⸗ brochen“ zu haben, denn ich bin zu wenig Oportuniſt, um Tatſachen gegenüber, die jeder Nichtintereſſierte längſt kritiſiert und bedauert hat, mir Schweigen aufzuerlegen. Der famoſen geſellſchaftlichen Regel:„So was denkt man, aber man ſagt es nicht“, räume ich einen maßgebenden Einfluß auf meine Entſchließungen nicht ein. Ich tue das vielleicht zu wenig; aber mein Fach ſetzt mich ohne dies, auch wenn ich noch ſo zahm und vorſichtig wäre, fortgeſetzt der Gefahr aus, bald da, bald dort anzuecken oder angerempelt zu werden.
Wir Nationalökonomen, Sozialpolitiker und Statiſtiker würden bei der Beſprechung geſellſchaftlicher Zuſtände jeden⸗ falls nicht weit kommen, wenn wir andere Grundſätze ver⸗ folgen wollten. Es iſt eine eigentümliche Auffaſſung von der bei uns ſo viel gerühmten„Freiheit der Wiſſenſchaft“,— „Vorausſetzungsloſigkeit“ heißt jetzt der ſcheußliche Ausdruck hierfür—, wenn man nicht das Recht haben ſollte, freimütig


