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ſo herſtellen ließ, daß ſie wie ein Extrablatt ausſah. Man wählte außer den größeren Lettern beſondere Initialen für die Abſatzanfänge, nahm ein beſſeres Papier, verſah das erſte Blatt mit Randleiſten, kurz, man gab dem Ganzen ein ge— fälliges und feſtliches Gewand, wie es bei ſolchen Gelegen⸗ heiten gang und gäbe iſt. Der Verleger hat— das muß an dieſer Stelle nochmals mit Dank hervorgehoben werden— ganz ſelbſtlos gehandelt und keine Koſten geſpart.
Gegen alle dieſe Anordnungen hatte ich natürlich nicht das geringſte einzuwenden, auch nicht gegen den weiteren Vorſchlag, daß meine Arbeit einen beſonderen Kopf bekam, der wie folgt lautete:
„Feſt⸗-Nummer aus Anlaß der Immatrikulation des 1000. Studenten an der Gießener Univerſität. Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger
Amts⸗ und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.“
Mein Manuſkript trug nur die Üüberſchrift„Statiſtiſches über die Frequenz der Univerſität Gießen“. Dieſer Titel wurde nunmehr unter den vom Verleger gewählten Kopf ge⸗ ſetzt. Letzteren hatte ich nicht veranlaßt und erſt bei der Durch⸗ ſicht des Korrekturabzuges zu Geſicht bekommen, wie ich mich überhaupt um die äußere Ausſtattung meines Aufſatzes nicht zu kümmern brauchte. Auf die ‚Feſtbeilage“ machte dann die Redaktion in der betreffenden Nummer ihres Blattes mit dem Hinweiſe aufmerkſam, ihr ſei von geſchätzter Seite die genannte ſtatiſtiſche Studie zur Verfügung geſtellt worden; alſo auch hier war mit keiner Silbe die Rede von einer amtlichen oder halbamtlichen Denkſchrift.
In keinem Stadium der Vorbereitung meines Artikels iſt mir auch nur im Traume eingefallen, auf den Gedanken zu verfallen, daß durch den vielleicht etwas volltönenden Haupt⸗ titel der„Feſtnummer“ der Eindruck erweckt werden könne, als ob es ſich um eine amtliche Kundgebung handele, die von


