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wirkſamkeit ſchon jetzt erſichtlich iſt. Der Grund hiervon iſt in dem Umſtande zu ſuchen, daß die eigentlichen Urſachen des Uebels nicht ſcharf ins Auge gefaßt und ohne Rückhalt aufgedeckt werden. Noch deutlicher wird dies bei der Betrachtung einer an⸗ deren Stelle des Schreibens.
Es wird dort hervorgehoben,„daß es in unſerer Zeit zur wiſſenſchaftlichen Ausrüſtung auch des poſitiven Theologen gehöre, wenigſtens die Methode der„modernen“ Theologie zu kennen.“ Kun dürfte freilich die Methode der poſitiven Theologie von der der liberalen nicht weſentlich verſchieden ſein; verſchieden ſind nur die größere oder geringere Vorſicht bei Handhabung dieſer Methode, die größere oder geringere Achtung vor der Ueber⸗ lieferung und die beſonderen Vorau sſetzungen religiöſer und philoſophiſcher Art, die ſich, wie es nicht anders möglich iſt, auf beiden Seiten finden. Aber, mag auch der Ausdruck der Genauig⸗ keit entbehren, die Forderung des Oberkonſiſtoriums, daß auch der poſitive Theologe einige Kenntnis der modern⸗liberalen Theologie beſitzen ſolle, iſt durchaus berechtigt. Nur wird man mit dem gleichen Rechte von dem liberalen Theologen verlangen müſſen, daß ihm die poſitive Theologie nicht unbekannt ſein dürfe. Die hohe Behörde hat aber dieſe notwendige Folgerung micht gezogen. Hätte ſie es getan, ſo hätte ſie auch eine Vertretung ger poſitiven Theologie in Gießen mit Entſchiedenheit verlangen müſſen und damit einen Weg beſchritten, der ohne Aenderung der Prüfungsordnung zu einer Beſſerung der Lage führen würde.
Eine Andeutung dieſer Art enthält freilich die Antwort des Großh. Oberkonſiſtoriums. Dieſes redet von„Wünſchen und Hoffnungen, die es ſelbſt hinſichtlich der Zuſammenſetzung der Fakultät hege“, und weiſt auf die darauf bezüglichen Worte ſeines Präſidenten in der Sitzung der Landesſynode vom 7. Juli 1908 hin. Aber es ſpricht nicht aus— wie man es erwarten ſollte—, daß es mit aller Macht auf die endliche Erfüllung dieſer Wünſche hin⸗ arbeiten werde, und wenn das nicht b eſtimmt erklärt wird und den Worten dann auch wirklich Taten folgen, ſo werden die Wünſche wohl— noch lange Wü nſchebleiben. Und doch erfordert die Schwierigbeit der Lage und der Ernſt der Zeit ein raſches und, wenn es ſein muß, kr aftvolles Eingreifen.
Als die hohe Behörde dieſen Beſcheid erteilte, der auch die Stelle von dem der Landeskirche förderlichen Zuſammenwirken der verſchiedenen Richtungen enthält, war ein Ereignis noch nicht ein⸗ getreten, das blitzartig die Dunkelheit erhellte, den Abgrund ſehen ließ, an deſſen Rand wir ſtehen, und die Möglichkeit eines ferneren Zuſammenwir kens der in der Landeskirche bisher wereinigten Anſchauungen ernſtlich in Frage ſtellte. Es iſt das die in der Mitte des Monats Juli erſchienene Erklärung von 87 heſſiſchen Geiſtlichen, deren Zahl inzwiſchen auf 96 angewachſen iſt,


