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Der Streit um die theologische Fakultät zu Gießen : sechs Aktenstücke mit Vorbemerkungen und einem Nachwort / herausgegeben vom Vorstand der Kirchlich-positiven Vereinigung für Hessen
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die Tatſache, daß dieſe, wenn auch noch ſo ernſten, Wünſche bis jetzt unerfüllt geblieben ſind, ein Verlaſſen unſerer ſeit langen Jahren beſtehenden an ſich vortrefflichen Prüfungsordnung? Soll Heſſen abweichend von dem, wie erwähnt, bei den übrigen größeren deut⸗ ſchen Kirchengebieten herrſchenden Grundſätzen darauf verzichten, die Prüfung der Landeskinder, die in den heimiſchen Kirchendienſt eintreten wollen, in der Hand zu behalten? Sollen wir zu einer Einrichtung übergehen, die hinſichtlich der Gewähr für die Wiſſen ſchaftlichkeit der Prüfung mindeſtens keine Beſſerung bringen kann? Wir meinen, ein ſolcher Schritt, der rein vom Geſichtspunkt der Qualität der Prüfungseinrichtung betrachtet, leicht ein Rückſchritt ſein und zudem zu bis jetzt noch nicht zu überblickenden Konſequenzen für die weitere Entwickelung unſerer Landeskirche führen könnte, ließe ſich nur rechtfertigen, wenn eine unbedingte Notwendigkeit vorläge. Dies können wir jedoch nicht anerkennen.

Wir haben für unſere Theologen zwar Examens⸗, aher keinen Studienzwang für Gießen. Rechtlich kann jeder Theologe ſich in Gießen prüfen laſſen, ohne dort ſtudiert zu haben. Sie bezeichnen es zwar alsmißlich auch für den tüchtigſten Studenten, ſich von einem ganz anders gerichteten Lehrkörper prüfen zu laſſen. Wir können dies in ſolcher Allgemeinheit nicht gelten laſſen. Auf was erſtreckt ſich die Fakultätsprüfung? Auf die Erforſchung theore tiſcher, fachwiſſenſchaftlicher Kenntniſſe. Die Richtung des Prüfen den kann hierbei keine ausſchlaggebende Rolle ſpielen. Zwar wird der Examinatormoderner Richtung auch Fragen ſtellen, die auf das Bebanntſein mit der Methode dermodernen Theologie ge richtet ſind, aber wir meinen, daß es in unſerer Zeit zur wiſſenſchaft lichen Ausrüſtung auch despoſitiven Theologen gehört, wenigſtens die Methode dermodernen Theologie zu kennen, und wir meinen ferner, daß bei der Bedeutung, welche diemoderne Theologie gewonnen hat, auch eine diepoſitive Richtung vertretende Prüfungsbehörde an dermodernen Theologie nicht vorübergehen kann. Unſere Anſchauung iſt alſo, daß auch der Theologe, der ſeine Ausbildung durch einepoſitiv gerichtete Fakultät gewonnen hat, ſofern er nur die Fähigkeit beſitzt, jenen Anforderungen zu ge⸗ nügen, mit anderen Worten jeder nicht wirklich unbegabte junge Theologe, ſich dem Gießener Examen unterziehen kann, ohne daß dies ein Opfer für ihn bedeutet..

Es iſt unſer herzlicher Wunſch, daß die Väter, welche ihre Söhne nicht bei der theologiſchen Fakultät zu Gießen ſtudieren laſſen wollen, ſich dieſer unſerer Erwägung nicht verſchließen, vielmehr ihre Söhne vertrauensvoll nach Gießen zur Prüfung ſchicken möchten. Wenn Sie für unſere Landeskirche Geiſtliche, die der von Ihnen vertretenen Richtung. entſprechen, wünſchen, ſo weiſen wir gern darauf hin, daß es für unſere Landeskirche ſtets von Segen geweſen iſt, daß Geiſtliche verſchiedener Richtung in ihr am Aufbau