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Der Streit um die theologische Fakultät zu Gießen : sechs Aktenstücke mit Vorbemerkungen und einem Nachwort / herausgegeben vom Vorstand der Kirchlich-positiven Vereinigung für Hessen
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der Landesſynode von 1908 den ſtatiſtiſchen Nachweis erbracht, daß im Durchſchnitt diejenigen Kandidaten in unſerer Prüfung zu einem beſſeren Ziel gelangen, höhere Noten erlangt haben, die einige Zeit auswärts ſtudiert, als diejenigen, die ihre Studienjahre nur in Eießen zugebracht haben. Dieſer Nachweis iſt unwiderſprochen geblieben. Er müßte genügen, die Ueberzeugung zu begründen oder aufrecht zu erhalten, daß die Fakultät ihren Kandidaten gleichmäßig gerecht gegenüberſteht, daß ſie nach ihrem Wiſſen allein und nicht nach ihrer Richtung fragt, daß ſie ſich ernſtlich müht, denjenigen, die ihr fremd gegenüberſtehen, möglichſt weit entgegen zu kommen. Die Fakultät muß es vor Eurer Königlichen Hoheit ſchmerzlich beklagen, daß dieſe ihre Nachweiſe kein Gehör gefunden zu haben ſcheinen, wiewohl entgegenſtehende Tatſachen uns nicht zu Ohren gekommen ſind. Dieſe Klage gilt nicht einer Beſchuldigung unſerer Richtung, ſondern verſteckten Vorwürfen gegen die Lauterkeit und Gerechtigkeit unſerer Geſinnung. Wir ziehen aus ihr eine letzte Konſequenz. Wir bitten Eure Königliche Hoheit, verfügen zu wollen, daß durch einen Abgeordneten des Großherzoglichen Ober⸗ konſiſtoriums das Verfahren bei der theologiſchen Prüfung in Gießen einer ein⸗ oder mehrmaligen Reviſion unterzogen werde, damit feſtgeſtellt werde, ob zu den ſchweren Vorwürfen, die die Verfaſſer der Eingabe gegen uns erheben, Grund vorliegt oder nicht. Offen vor Eurer Königlichen Hoheit und vor dem Lande haben wir ge⸗ handelt und wollen wir ferner handeln. Werden Schäden bei uns aufgedeckt, uns nachgewieſen, ſo ſind wir bereit, ſie abzuſtellen. Gegen unbegründete Angriffe auf Eurer Königlichen Hoheit wohl⸗ bedachte Landesordnungen und unſere Gewiſſenhaftigkeit in ihrer Befolgung bitten wir um Eurer Königlichen Hoheit ſtarken Schutz.

Gießen, den 25. März 1911.

Die theologiſche Fakultät der Landesuniverſität. Im Auftrag: (unterz.) D. Eck.