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Der Streit um die theologische Fakultät zu Gießen : sechs Aktenstücke mit Vorbemerkungen und einem Nachwort / herausgegeben vom Vorstand der Kirchlich-positiven Vereinigung für Hessen
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r Hrief an die hochwürdige

Theologiſche Fakultät in bießen.

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Hochwürdige Fakultät hat eine Eingabe an Seine Königliche Hoheit den Großherzog gerichtet, die uns durch den Abdruck in der Darmſtädter Zeitung vom 10. Mai bekannt geworden iſt. Darin erfährt unſer Geſuch an Großh. Oberkonſiſtorium in Sachen des Examenszwanges eine ſcharfe und in vieler Hinſicht nicht gerechte Beurteilung, und dieſer Umſtand veranlaßt uns zu folgender Ant⸗ wort, die wir auch der Oefſentlichkeit übergeben:

Wir finden es begreiflich, daß unſere Bemerkung von der vorwiegend negativ⸗kritiſchen und zum Teil bewußtunkirchlichen Geiſtesrichtung, die der Fakultät eigen ſei und von ihr ausgehe, dieſe nicht angenehm berührt hat; aber ihre Darlegung iſt leider nicht imſtande geweſen, uns die Unrichtigkeit jener Behauptung klar zu machen. Es kann der Fakultät natürlich nicht verwehrt werden, über ihre Wirkſambeit, wie es in ihrer Eingabe heißt,beſcheidener zu denken, als wir es für zuläſſig gehalten haben. Wenn ſie aber zur Begründung dieſer niedrigeren Selbſteinſchätzung die Erfahrung anführt, daßeinzelne ihrer Schüler und zum Teil recht begabte nach den Gießener Studienjahren Wege einſchlügen, die von den ihrigen weit abzubiegen ſchienen, ſo beweiſt das, wie uns ſcheint, gerade das Gegenteil von dem, was ſie dadurch beweiſen möchte. Erkennt ſie doch mit dieſen Worten ſelber das an, was unſere Mei nung iſt, daß nämlich die große Mehrzahl der Studierenden von ihrem durch die negative Zeitrichtung getragenen Einfluß beherrſcht wird und nur einzelne ſich ausnahmsweiſe davon frei zu machen wiſſen. Wenn unter dieſeneinzelnen manche recht begabte ſind, ſo ſpricht das nur für unſere Sache, deren Wahrheit ſich den guten, ſelbſtändig denkenden Köpfen leichter erſchließt als den mittel⸗ mäßigen, gern fremder Leitung folgenden. Wir dürfen alſo in der mitgeteilten Bemerkung der hochwürdigen Fakultät ein Zugeſtänd⸗ nis ſehen, das wir, wenn es auch nicht beabſichtigt zu ſein ſcheint, doch mit Dank annehmen. Wenn die Fakultät hervorhebt, ſie ſei nur ein Organ proteſtantiſcher Wiſſenſchaft und neben ihrer mündlichen Lehrtätigkeit hätten auch Schriften Einfluß, ſo ſtimmen wir ſelbſtverſtändlich mit ihr hierin überein. Einen Index librorum prohibitorum wollen wir ſo wenig wie ſie ſelbſt, aber wir müſſen auch die von ihr beliebte, in ihrer Wirkung einen ſolchen Inder ähnliche Fernhaltung aller andersdenkenden Dozenten als nachteilig betrachten.