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jüngeren„poſitiven“ Pfarrer den Verfaſſern der Eingabe unbekannt geblieben ſein? Andererſeits ſind wir uns bewußt, nur ein Organ proteſtantiſcher Wiſſenſchaft zu ſein. Neben, um und über uns beſitzt ſie ſeit Luthers Tagen im gedruckten Wort ihre unmeßbare Wirk⸗ ſankeit, deren Einfluß in deutſchen Landen durch keine geſetzliche Maßregel abzuſperren iſt. Denn für einen Index librorum prohibitorum gibt es im Proteſtantismus Gott Lob keinen Raum.
Aber beſteht die angebliche Tatſache der vorwiegend negativ⸗ kritiſchen, zum Teil bewußt unkirchlichen Geiſtesrichtung der Fakul⸗ tät wirklich zu Recht? Es würde— wir ſtellen es nicht in Abrede — für eine theologiſche Fakultät einem Todesurteil gleichkommen, wenn der Nachweis, daß dem ſo iſt, gelänge. Wir ſtehen durch Eid⸗ und Pflicht im Dienſte Gottes, des Vaterlandes und der Kirche. Wie kann man durch bloßes Zerſtören dieſen erhabenen Wirklich⸗ keiten dienen wollen? Allein der Nachweis iſt noch nicht einmal verſucht worden. Wir ſind genötigt, den entgegengeſetzten zu führen, den Nachweis daß die Wirkſamkeit der Fakultät poſitive Ziele ver folgt und poſitive Früchte getragen hat.
Wenn wir zuerſt der Geiſtlichen der Landeskirche gedenker die aus der Schulung der Fakultät hervorgegangen ſind, ſo Füüiſen wir es vermeiden, Lebende fn nennen. Aber einen Toten, der Eurer Königlichen Hoheit wohlbekannt war, rufen wir als Seltgen an. Der Pfarrer Jean Guyot hat der Fatultät in böſen und in guten Tagen Treue gehalten. Er iſt für ſie und ihre Wiſſenſchaft eingetreten, wann immer es not tat. Aber die Fakultät hat dem Verſtorbenen ihren Doktor verliehen ausdrücklich um ſeiner kirch lichen Wirkſamkeit willen. Die Landgemeinden um Mainz ſtehen in glücklicher Blüte: er hat ſie geſchaffen. Die Fohanmesgeneinde in Darmſtadt iſt von ihm gegründet. Er iſt in der Geſchichte der letzten 20 Jahre des Heſſiſchen Guſtav⸗ Aheif Vereinz an erſter Stelle wirk⸗ ſam geweſen. Er hat einen umfaſſenden Einfluß weit über Parkei⸗ kreiſe hinaus auf die Geiſtlichkei des Landes geübt. Seines Sinnes ſind darum auch heute viele, die, wie er, kirchlich aufbauende Wirkſamkeit und freie wiſſenſchaftliche Stellung verbinden wollen. Er bedeutet ein Programm, wenn wir es ſagen dürfen, ein Ideal für viele heſſiſche Geiſtliche. Und eben weil er kein Ein melſter nur war, ſondern eine Perſönlichkeit, die ihre Ge Wuien und Lebens⸗ ziele tief in die Geſinnung iee grub, darum bürgt uns ſein Name dafür, daß es, um nicht zu ſagen, ein ſchweres Unrecht, ſo jedenfalls eine unbedachte Uebereilung iſt der„liberalen Richtung“ der heſſiſchen Geiſtlichkeit die im beſten Sinne poſitiv⸗aufbauende Wirk⸗ ſamkeit abzuſprechen.
Aber wir ſelbſt! Kann und darf von den gegenwärtigen Mitgliedern der Fakultät behauptet werden, daß ſie dem kirchlichen Leben fernſtehen? daß deſtruktive Tendenzen oder auch nur Gleich⸗ gültigkeit gegen die evangeliſche Gemeinde ſie beſeelen? Wir müſſen


