Eingabe des Dorſtands der Ep.⸗ lutheriſchen Konferenz für Obecheſſen an das Hroßh. Oberkonſiſtorium.
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Aus ernſten Gewiſſensbedenken heraus, in dem Bewußtſein, damit wahre Freiheit und Toleranz zu vertreten, im Intereſſe unſrer Gemeinden und unſrer Kirche richtet die Evangeliſch⸗ lutheriſche Konferenz für Oberheſſen an Großherzogliches Ober⸗ konſiſtorium die ehrerbietige dringende Bitte, dafür beſorgt zu ſein, daß§ 3 Poſ. 2 des Kirchengeſetzes vom 11. Juli 1879, wonach als Bedingung der Anſtellung die Fakultätsprüſung vor der theolo⸗ giſchen Fakultät Gießen gefordert wird, in dem Sinne geändert werde, daß die in§ 5 Poſ. 1 getroffene Beſtimmung ſinngemäß auch für Angehörige des Großherzogtums Heſſen in Geltung trete. Viele Eltern können um ihres Gewiſſens willen ihre Söhne gegenwärtig nicht in Gießen Theologie ſtudieren laſſen in der leider wohl⸗ begründeten Beſorgnis, daß dort die„Seelen gefährdet“ werden und das verlieren, was ihnen das Heiligſte iſt. Daß ſie genötigt ſind, ihre Söhne auswärts ſtudieren zu laſſen unter Verzicht auf mancherlei Vorteile, Stipendien und ſonſtige finanzielle Erleich⸗ terungen, die ihnen die Landesuniverſität bieten würde, dieſes Opfer wird ihnen immer noch erträglich ſein um ihres Glaubens und ihrer Ueberzeugung willen. Aber hart und unerträglich iſt es für ſie, deshalb nun auch für ſpäter ihre Söhne von der Heimat, von dem Dienſt in der ihnen teuren heſſiſchen Landeskirche ausge⸗ ſchloſſen zu ſehen.
Was es Eltern, die auf dem Grund des„alten“ Glaubens ſtehen, noch beſonders erſchwert, ihre Söhne in Gießen ſtudieren zu laſſen, iſt vor allem das geringe Entgegenkommen, das die Fakultät ſelbſt den gerechteſten und maßvollſten Forderungen gegenüber zeigt, auch poſitiv gerichtete Profeſſoren zu berufen. Dies ſcheint uns mit der ſonſt geforderten Gleichberechtigung der Richtungen im Wider⸗ ſyrruch zu ſtehen und iſt unſrem Gerechtigkeitsgefühl nach intolerant. Eine Nötigung, dieſer ſo einſeitig zuſammengeſetzten Fakultät die jungen Theologen zu übergeben und ſie zum Examen an ihr zu zwingen, ſcheint uns mit wahrer Toleranz undwahrer Freiheit der


