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Der Streit um die theologische Fakultät zu Gießen : sechs Aktenstücke mit Vorbemerkungen und einem Nachwort / herausgegeben vom Vorstand der Kirchlich-positiven Vereinigung für Hessen
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Eingabe der Rirchlich⸗poſitiven Hereinigung für Heſſen an das Hroßh. Oberkonſiſtorium

An Großherzogliches Oberkonſiſtorium.

Die Kirchlich⸗poſitive Vereinigung für das Großherzogtum Heſſen verfolgt mit wachſender Sorge die immer deutlicher zu Tage tretende Tatſache, daß in weiten Kreiſen unſrer Landeskirche eine vielfach vor den äußerſten Konſequenzen nicht zurückſchreckende liberale Richtung ſowohl in das innere kirchliche Leben, in Predigt, Jugendunterricht, Kultus und Seelſorge, erfolgreich eindringt, als auch auf die äußere Regelung und Leitung der kirchlichen Angelegen⸗ heiten maßgebenden Einfluß gewinnt. Wir fühlen uns vom Stand⸗ punkt poſitiv⸗chriſtlichen Glaubens aus in unſerm Gewiſſen gedrun⸗ gen, in dieſer Tatſache eine große Gefahr für die Kirche zu erblicken und dieſer Gefahr nach Kräſten vorzubeugen.

Die Haupturſache jener traurigen Erſcheinung liegt aller⸗ dings in dem zum Unglauben neigenden Zeitgeiſt, daneben kommt aber als eine beſondere Urſache von nicht zu unterſchätzender Trag⸗ weite für unſere heſſiſche Landeskirche der Umſtand hier in Betracht, daß die Theologiſche Fakultät an unſere Landesuniverſität Gießen ſeit Jahrzehnten in geſchloſſener Einheitlichkeit ſich als Trägerin und Ausgangspunkt einer vorwiegend negativ kritiſchen und zum Teil bewußtunkirchlichen*) Geiſtesrichtung darſtellt, die natur⸗ gemäß einen theologiſchen Nachwuchs von entſprechend einſeitiger Haltung in unſere evangeliſchen Gemeinden einführt. Die Zahl der poſitiv gerichteten Geiſtlichen, wie ſie von chriſtlich gläubigen Ge⸗ meinden begehrt und mit gutem Recht gefordert werden, wird, da es ſich hier meiſt um ältere Pfarrer handelt, immer geringer, und der geiſtige Bann, der ſich von Gießen her auf Kopf und Herz unſerer theologiſchen Jugend legt, droht immer mehr den Vollgehalt des Evangeliums von Chriſto auf ein Mindeſtmaß zu reduzieren und unſere Gemeinden des überlieferten Beſitzſtandes an chriſtlichen Glaubensgütern zu berauben.

*) Ausdruck, deſſen ſich Herr Geh. Kirchenrat Prof. D. Krüger ſelber in derChriſtl. Welt bedient hat.