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Der Streit um die theologische Fakultät zu Gießen : sechs Aktenstücke mit Vorbemerkungen und einem Nachwort / herausgegeben vom Vorstand der Kirchlich-positiven Vereinigung für Hessen
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den Großherzog, worin ſie ſich gegen die Ausführungen der Poſi⸗ tiven wendete. Indem ſie ihr Verfahren bei Berufungen mit Schweigen überging, ſuchte ſie den Vorwurf, daß ſie eine vorwiegend negativ⸗kritiſche und zum Teil bewußtunkirchliche Geiſtesrichtung pflege, zu entkräften und im Gegenſatze dazu nachzuweiſen, daß ihre Wirkſamkeit aufbauend ſei und daß die heſſiſche Prüfungsordnung in keinem Punkte einer Aenderung bedürfe. Zugleich hielt ſie den Poſitiven vor, ſie richteten verſteckte Vorwürfe gegen die Lauterkeit und Gerechtigkeit ihrer Geſinnung, und gab ihnen mit verblümten Worten Minderwertigkeit und Rückſtändigkeit in wiſſenſchaftlicher Hinſicht ſchuld. Darauf antwortete der Vorſtand der Kirchlich⸗ poſitiven Vereinigung in demOffenen Briefe an die hochwürdige Theologiſche Fakultät zu Gießen, der deren Vorwürfe und un⸗ richtige Behauptungen zurückwies und nochmals den Sachverhalt darlegte. Die Angelegenheit, die noch zu einer Interpellation in der 2. Kammer der heſſiſchen Landſtände am 15. März 1911 und zu einer Reihe von Kundgebungen anderer theologiſchen Konferenzen und Vereinigungen führte, fand einen vorläufigen Abſchluß durch das Schreiben des Großh. Oberkonſiſtoriums an den Vorſtand der Kirchlich⸗poſitiven Vereinigung vom 20. Mai d. J. Die hohe Be⸗ hörde erklärte, daß ſie ſelber, wie bekannt, Wünſche und Hoffnun⸗ gen hinſichtlich der Zuſammenſetzung der Fakultät hege, lehnte aber eine Aenderung der Beſtimmungen über die Prüfung als unnötig und unzweckmäßig ab und nahm nur die mehrmalige Entſendung eines Kommiſſars zu den mündlichen Prüfungen in Gießen in lusſicht.

Die wichtigſten Aktenſtücke, die dem Fakultätsſtreite ihre Entſtehung verdanken: 1. die Eingabe der Kirchlich⸗poſitiven Ver⸗ einigung an Großh. Oberkonſiſtorium vom 9. Februar 1911, 2. und 3. die Eingaben der beiden lutheriſchen Konferenzen, 4. die Eingabe der Fakultät an Seine Königliche Hoheit den Großherzog vom 25. März 1911, 5. der offene Brief des Vor⸗ ſtandes der Kirchlich⸗poſitiven Vereinigung an die hochwürdige Theologiſche Fakultät zu Gießen, zuerſt veröffentlicht im poſitiven Korreſpondenzblatte vom 4. Juni d. J., und 6. das Schreiben des Großh. Oberkonſiſtoriums an den genannten Vorſtand vom 20. Mai d. J., ſollen im folgenden nach ihrem vollſtändigen Wortlaut weiteren Kreiſen zugänglich gemacht werden und ſo jedermann ein eignes Urteil über die ganze Angelegenheit ermöglichen. Da aber die Tatſachen und Verhältniſſe, auf die darin Bezug genommen wird, nicht als allgemein bekannt vorauszuſetzen ſind, ſo ſchien es notwendig, in den vorſtehenden Vorbemerkungen dieſe genauer dar⸗ zuſtellen. Ein Nachwort ſoll dann die durch die Entſcheidung des Oberkonſiſtoriums geſchaffene Lage kennzeichnen und aus den Wirren der Gegenwart die Blicke in die Zukunft lenken.