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Der Streit um die theologische Fakultät zu Gießen : sechs Aktenstücke mit Vorbemerkungen und einem Nachwort / herausgegeben vom Vorstand der Kirchlich-positiven Vereinigung für Hessen
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beitet, die gänzlich außerhalb der kirchlichen Sphäre gewonnen ſind. Unkirchlich auch in dem Sinne, daß ich nirgends bei meiner Arbeit nach der Kirche frage; ob ihr meine Ergebniſſe behagen oder nicht, ob ſie durch eines dieſer Ergebniſſe, vielleicht auch durch meine ganze Arbeitsmethode ſich geſchädigt glaubt ich will nicht ſagen, daß es mich kalt läßt, aber ich verſtatte dieſer etwa auftauchenden Er⸗ wägung keinerlei Einfluß auf meine Arbeit. Selbſtverſtändlich iſt es die Pflicht eines Hiſtorikers und Quellenkritikers, auch wenn er Theologe iſt, ſo objektiv als möglich zu verfahren, und natürlich darf er ſich bei ſeinem Forſchen und Suchen nicht von dem Streben leiten laſſen, keinenfalls etwas zu finden, was ſich nicht mit der Kirchenlehre deckt. Aber es iſt unzweifelhaft: das Wortunkirch⸗ lihe Arbeit,unkirchliche Theologie iſt zum Ausdruck dieſer nicht eben neuen Wahrheit völlig ungeeignet, und die Entſchiedenheit und Schärfe, womit der Gießener Profeſſor für die unglückliche Bezeichnung eintritt und ſelbſtbewußt erklärt, er frage gar nicht danach, ob ſich die Kirche durch ſein Verfahren und deſſen Ergeb⸗ niſſe geſchädigt glaube, läßt allerdings auf einen inneren Gegenſatz zu dieſer und alſo auf eine unkirchliche oder doch wenig kirchen⸗ freundliche Geiſtesrichtung ſchließen. Wer ſo ſteht, der wird frei⸗ lich durchkirchliche Maßſtäbe nicht beeinflußt; ob aber nicht durch ſolche, die er den unbewieſenen Sätzen kirchenfeindlicher Philoſophen und Naturforſcher entnimmt, das iſt eine andere Frage.

Trotzdem möchte Prof. Krüger der Kirche in ſeiner Weiſe dienen. Er ſagt weiter unten:Unſere unkirchliche Theologie ſtellt ſich, pädagogiſch angeſehen, in den Dienſt dieſer(der religiöſen) Bedürfniſſe. Das kann ſie freilich, auf das Große geſehen, nur, wenn ſie unweigerlich daran feſthält, den Studierenden fort und fort die Ueberzeugung zu predigen und in ihnen zu feſtigen, daß alle Formen und Vorſtellungen des religiöſen und kirchlichen Lebens nur einen velativen Wert haben und daß der Wiſſenſchaft genügende Mittel zu Gebote ſtehen, um den Beweis dafür anzutreten. Nur wer, ich möchte ſagen, mit der Ueberzeugung durchtränkt iſt, daß alle dieſe Formen und Vorſtellungen, natürlich auch die reformatoriſchen und urchriſtlichen, einſchließlich der über Jeſu Perſon gehegten, menſchlich geworden ſind und nicht ohne Umdeutung und Er⸗ gänzung aus der Vergangenheit in die Gegenwart übertragen werden können, wird ſpäter im ſtande ſein, den abſoluten Wahr⸗ heitsgehalt des Evangeliums in ſolche Formen zu kleiden und ſo zu predigen, daß er ihn auch den gereiften Gliedern ſeiner Gemeinde nahe bringen kann. Das alſo iſt der Dienſt, den dieunkirchliche Theologie der Kirche leiſten will: ſie ſucht den Studierenden die feſte Ueberzeugung beizubringen, daß alle religiöſen Vorſtellungen, auch die urchriſtlichen und reformatoriſchen über Jeſu Perſon menſchlich geworden und von nur relativem Werte ſeien und bei