Weſen der Univerſitäten und alſo wohl auch ihrer Fakultäten. Warum der theologiſchen Fakultät in dieſer Hinſicht eine beſondere Stellung zukommen ſollte, iſt nicht zu begreifen. Friede und Ein⸗ tracht im amtlichen und perſönlichen Verkehre werden Männer von Bildung, Lehrer der akademiſchen Jugend hoffentlich trotz aller Verſchiedenheit der Meinungen zu halten wiſſen; ſollten ſie es aber wider Erwarten nicht verſtehen, ſo mögen ſie verſuchen, es zu lernen. Das wird für ſie ſelber, für die Körperſchaft, der ſie als Glieder angehören, und für die jungen Leute, denen ſie auch hierin zum Vorbild dienen ſollen, gewiß nur heilſam ſein.
Es haben alſo offenbar nicht ſolche Gründe, ſondern allein Engherzigkeit, die keine andere Ueberzeugung duldet, und daneben vielleicht— was unbedachte Aeußerungen ihrer Freunde aus neuerer Zeit vermuten laſſen— auch die Furcht, es möchten dem Chriſtentume abgeneigte Angehörige anderer Fakultäten ihre wiſſenſchaftliche Gleichberechtigung beſtreiten, wenn ſie ihre Ab⸗ lehnung des poſitiven Chriſtenglaubens aufgebe, die theologiſche Fakultät in Gießen zu der bezeichneten Haltung beſtimmt. Dieſe zu ändern, hat ſie nichts vermocht. Die Vorſtellungen der Poſitiven, die ſie wiederholt erſuchten, doch auch ihrer Anſchauung eine Ver⸗ tretung an der Landesuniverſität zu gönnen, wurden nicht beachtet; das wahre Intereſſe der Studierenden, das eine vielſeitigere, auch anderen Anſichten gerecht werdende Ausbildung verlangt hätte, fand bei ihren Lehrern kein Verſtändnis; in noch höherem Grade fehlte dieſen der rechte Blick für das Bedürfnis der Kirche, die Diener nicht brauchen kann, welche durch eine übertriebene Kritik und Skepſis ohne poſitive Gegenwirkung an den Grundwahrheiten des Chriſtentums irre geworden ſind. Dieſe Verſtändnisloſigkeit den Aufgaben der Kirche gegenüber und die völlige Verkennung der für die Lehrer ihrer künftigen Diener zweifellos beſtehenden Verpflichtung, wenigſtens nicht in offenen Gegenſatz zu ihr zu treten, zeigte ſich in den Aeußerungen einzelner Glieder der theo⸗ logiſchen Fakultät zuweilen in erſchreckender Weiſe.
Vor allem war dies der Fall in dem Artikel, den der Geh. Kirchenrat Prof D. Krüger in der„Chriſtl. Welt“ vom 23. Auguſt 1900 über„Die unkirchliche Theologie“ veröffentlichte. Da der Verfaſſer dieſer vielbeſprochenen Kundgebung behauptet hat, man habe ſeine Aeußerungen aus dem Zuſammenhang geriſſen und falſch gedeutet, und da er in einer kürzlich erlaſſenen Erklärung ſogar von„vergifteten Waffen“ zu reden wagt, die man gegen ihn gebraucht habe, ſo wird es am Platze ſein, etwas genauer auf die Hauptgedanken jenes Artikels einzugehen.
D. Krüger bekennt darin, daß er perſönlich die von ihm als akademiſchem Lehrer, näher als theologiſchem Hiſtoriker, ver⸗ richtete Arbeit als„unkirchlich“ empfinde.„Unkirchlich iſt dieſe Arbeit, ſofern ſie ſchlechterdings und überall mit Maßſtäben ar⸗


