Dorbemerkungen.
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Die theologiſche Fakultät zu Gießen iſt auch im letzten Menſchenalter um die Erweiterung der wiſſenſchaftlichen Erkennt⸗ nis und die Ausbildung von Dienern für die heſſiſche Landeskirche eifrig bemüht geweſen, und aus dieſer Arbeit iſt— das ſoll ohne Rückhalt ausgeſprochen werden— manche gute Frucht erwachſen. Aber ein großer Mangel, der ihr eigen war und iſt, hat ihrer Wirkſamkeit die beſte Kraft geraubt und, was zum Segen hätte werden können, oft in das Gegenteil verwandelt. Es iſt das die Einſeitigkeit und ſchroffe Unduldſamkeit in der Vertretung ihres modern⸗liberalen Standpunktes, vermöge deren ſie bei Berufungs⸗ fragen regelmäßig zum Ausſchluß der poſitiven Theologie gelangte. Darin zeigt ſich und damit verbunden war und iſt ein Mangel an Verſtändnis für das, was der Kirche, insbeſondere unſerer Landes⸗ kirche, not tut.
Zum Beweis für das Geſagte ſei an die bekannte Tatſache erinnert, daß ſeit mehr als 3 Jahrzehnten kein ausgeſprochen poſitiver Theologe mehr ein Lehramt an der Gießener Hochſchule bekleidet hat, wenn auch einzelne Vertreter eines mehr vermitteln⸗ den Standpunktes vorübergehend an ihr gewirkt haben. Dieſe auffallende Erſcheinung iſt weder aus der angeblichen Minder⸗ wertigkeit der poſitiven theologiſchen Wiſſenſchaft noch aus einem etwa beſtehenden Mangel an geeigneten Gelehrten dieſer Richtung zu erklären. Mögen ſich Unkundige, Verblendete, Böswillige in ſolchen Behauptungen gefallen, die ſtattliche Zahl älterer und be⸗ ſonders auch jüngerer poſitiver Dozenten, die an vielen Univerſi⸗ täten mit beſtem Erfolge tätig ſind, und ihre anerkennenswerten und anerkannten Leiſtungen zeigen deutlich genug, daß jene Ein⸗ wände nicht ernſt zu nehmen ſind. Ebenſo wenig iſt die Berufung auf die vermeintlich nötige„Einheitlichkeit“ der Fakultät und die Beſorgnis, es möchte die Eintracht ihrer Glieder durch den Ein⸗ tritt Andersdenkender leiden, zur Rechtfertigung oder auch nur Entſchuldigung dieſer Einſeitigkeit geeignet. Vielſeitigkeit der Anſichten und der Betrachtungsweiſe, der Forſchungsgebiete, Studien und Intereſſen, Vielſeitigkeit, und nicht eine notwendig Leben und Bewegung hemmende„Einheitlichkeit“, aehört zum


