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Frankfurt a. M. und die Nachbaruniversitäten / von Prof. Dr. Sommer in Gießen
Entstehung
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kann man bei Vergleichung der Frequenzen innerhalb der letzten 40 Jahre in Deutschland, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, überhaupt nicht mehr reden.) Ferner darf man trotz der günstigen Lage von Frankfurt die Wirksamkeit der Zugehörigkeit zu den einzelnen Bundesstaaten nicht ganz ver- nachlässigen. Gießen, Heidelberg, Würzburg und Straßburg werden auch nach der Gründung von Frankfurt immer noch von den betreffenden Landeskindern, wenn auch vielleicht in geringerem Grade, aufgesucht werden, ganz abgesehen von dem zum Teil sehr zahlreichen Zuzug aus anderen Gebieten. In bezug auf letzteren ist zu bemerken, daß z. B. Gießen in zwei Fakultäten, nämlich der Medizinischen und Philosophischen, schon längst nicht mehr reine Landesuniversität ist, was sich z. B. aus folgender Statistik für den Sommer 1910 ergibt:

Hessen Nichthessen Hatuuter Im ganzen 1. Theologische Fakultät... 63 12 8 75 2. Juristische Fakultäat... 123 27 21 150 3. Philosophische Fakultät.. 555 187 104 742² 4. Medizinische Fakultät.. 135 232 149 367 Gesamtsumme 876 458 282 1334

Somit beträgt das Verhältnis von Hessen zu Nichthessen in der Theologischen Fakultät 5,2/1, in der Juristischen 4,5/1, in der Philosophischen 2,9/1, in der Medizinischen 0,58/1(!); im ganzen 876: 458= 1,9/1. Es ergibt sich hieraus speziell für die Medizinische Fakultät, daß Gießen nur etwa Hessen und etwa 2 ½ Nichthessen hat.

Darunter ist eine ganze Reihe von Medizinern, die vorher an größeren Universitäten studiert haben und dann nach Gießen kommen, weil sie hier in den Kliniken reichlichere Gelegen- heit haben, Kranke zu untersuchen.

Es ist kein Grund zu erkennen, weshalb nach Eröffnung der Universität Frankfurt dies anders werden sollte. Es wäre sogar möglich, daß, wenn sich Frankfurt zu einer auch der Zahl nach großstädtischen Universität entwickelt, dadurch gerade besonders in den letzten klinischen Semestern der Universität Gießen noch mehr Studierende zugeführt werden. Daß die Frankfurter medizinischen Anstalten für den klinischen Unter- richt mehr geeignet sein sollten, als die Gießener, wird von denen, die die Verhältnisse genau kennen, nicht befürchtet. Nur in einem Punkt ist Frankfurt Gießen ebenso wie einer Reihe von anderen mittleren Universitäten zurzeit noch wesentlich über- legen, nämlich in dem Ausbau der sogenannten Nebenfächer. Allerdings wird dieser Mangel vielleicht schon in wenigen Jahren in Gießen ausgeglichen sein. Die Erbauung einer Ohren- klinik und Dermatologischen Klinik zur Ergänzung der schon be-