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Frankfurt a. M. und die Nachbaruniversitäten / von Prof. Dr. Sommer in Gießen
Entstehung
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auf dem Boden der analytischen Betrachtung und behandle die Einrichtung einer Universität in Frankfurt lediglich vom Gesichtspunkt einer Biologie der deutschen Universitäten, im Hinblick auf die Nachbaruniversitäten und speziell Gießen. Da es sich bei der Gründung der Universität Frankfurt um eine innere preußische Angelegenheit handelt, kommt es für die beteiligten süddeutschen Universitäten als solehe von vorn- herein garnicht in Betracht, etwas für oder gegen die Gründung auszusagen, sondern es fragt sich lediglich, wie diese Gründung eventuell wirken wird. Daß Frankfurt für Studenten An- ziehungskraft haben wird, ist sehr wahrscheinlich. Durch die zielbewußte Zusammenfassung einer Reihe von einzelnen, ge- trennt entstandenen Anstalten, Gesellschaften und Stiftungen (Senckenbergsches Institut, Senckenbergsche Natur- forschende Gesellschaft, Physikalischer Verein, Akademie für soziale und Handelswissenschaften, Jügelsche Stiftung, In- stitut für experimentelle Therapie, Chemisch-pharmakologisches Institut, Neurologisches Institut, Städtische Krankenanstalten und andere städtische Einrichtungen) hat Frankfurt einen Komplex von Bildungsanstalten erlangt, die zum Teil schon funktionell und baulich im Zusammenhang stehen. Dazu kommen als Bildungsmittel Theater, Konzerte u. a. Außer- dem bietet Frankfurt für den Studenten infolge seiner gerade- zu vorzüglichen Verkehrsverbindungen mit seiner schönen Um- gebung reichlich Gelegenheit, Erholung außerhalb der Groß- stadt zu suchen. Betrachtet man die außerordentlich große Zahl von Norddeutschen, die an süddeutschen Universitäten studieren, so ist auch anzunehmen, daß Frankfurt, das trotz der jetzigen Zugehörigkeit zu Preußen in bezug auf die Art der Bevölkerung einen süddeutschen Charakter hat, gerade durch diese Eigenschaft innerhalb der Studentenschaft preußi- scher Abstammung Anziehungskraft ausüben wird. Dazu kommt die zentrale Lage von Frankfurt zwischen dem Gebiet der drei Großherzoglich hessischen Provinzen und der Provinz Hessen-Nassau. Sicher werden, wenn das Universitätsstatut dies zuläßt, viele Studenten aus diesen Gebieten in Frankfurt Kollegien hören, ohne überhaupt dort zu wohnen.

Wer das deutsche Studententum genauer kennt, wird alle die genannten Faktoren in bezug auf die Frequenz und den Einfluß auf die Nachbaruniversitäten nicht überschätzen dürfen. Vor allem kann sich erfahrungsmäßig in einem großstädtischen Milieu das Korporationswesen, das nicht nur die einzelnen Stu- denten in einer Universitätsstadt hält, sondern tatsächlich sich oft durch mehrere Generationen wirksam zeigt, nicht so entfalten, wie in einer mittleren Universität.(Von kleinen Universitäten