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Über die Reform der Doctorpromotion : eine academische Rede / gehalten von Dr. Adolf Philippi, Professor an der Universität Gießen
Entstehung
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danken nicht in die Irre gehen, daſs vor allem es nicht eine belächelnswerthe Utopie ist, wenn jemand von dem wissenschaftlichen Charakter des Doctorgrades spricht, das beweist uns wohl zur Genüge das Bei- spiel derjenigen Universitäten, denen wir einfach nach- zustreben haben.

Denn Mittelwege gibt es jetzt nicht mehr. Eine geschriebene, nicht zu druckende Dissertation wäre für uns keine halbe Malsregel, sondern gar keine. Alles was ich über den Werth der gedruckten Disser- tation für uns gesagt habe, ist nur für sie wahr; auf eine bloſs schriftliche Arbeit findet es keine Anwen- dung mehr. Den Gedanken an eine nur handschrift- liche Abhandlung habe ich darum bis jetzt ernstlicher Widerlegung nicht für werth gehalten. Könnte ich mir denken, daſs jemand mir diesen Gedanken den- noch als ausführungswerth hinstellte, ich würde nur fragen können: was denn in aller Welt diese Scheu vor den Mitteln der Buchdruckerkunst verursache. Und diese Frage wird auf eine befriedigende Antwort wohl immer warten müssen.

Dagegen fallen mir stets wieder neue Gründe für die Drucklegung ein, deren einen wenigstens ich Ihnen nicht vorenthalten will. Wir bekommen alljährlich von unseren Schwesteruniversitäten Hunderte, glaube ich, von Dissertationen, die uns doch werthvoll genug sind, um sie auf unserer Bibliothek sorgfältig katalo- gisiren zu lassen. Wir vergelten diese Wohlthaten mit der Uebersendung unseres Personalverzeich- nisses. Ich für meinen Theil muls gestehen, daſs mein Dankbarkeitsgefühl mit dieser Art der Wiedervergel- tung sich noch nicht völlig Genüge gethan hat.