21
halten, so hiefse das nichts anderes, als auf ganz äuſser- liche Zweckmälsigkeitsrücksichten zurückgreifen, wel- che der Promotionsfrage, wenn sie überhaupt eine Lö- sung finden soll, gänzlich fern bleiben müssen. Denn da es keine Stufenfolge von Graden mehr giebt, sondern nur noch den einen Dr. phil., so kann natürlich eine Facultät nicht verschiedene Species dieser Würde mit ungleichem Curswerthe ausgeben.
Und was lieſse sich nun noch mit Grund gegen die gedruckte Dissertation einwenden? Etwa die grö- ſsere Mühe unsererseits? Gewils! Aber mit der Re— duction der Zahl der Promotionen auf das wünschens- werthe Normalmaſs wird diese Mühe von selbst sich vertheilen. Von auswärtigen Promotionsgesuchen wer- den wir ohnehin dann mehr verschont bleiben, wenn wir unsere Ansprüche mit denen der anderen Universitäten ausgleichen. Für unsere Studirenden aber Mühe auf uns zu nehmen ist unsere Pflicht und wird hoffentlich unsere Freude sein.
Und was nach dieser Seite hin der Einzelne unter unseren Studirenden erreicht, das kommt nicht ihm bloſs, sondern dem Ganzen zu Gute. Denn auch im Leben wird, wer kein Ziel sich steckt, nichts erreichen, von Fällen des Glücks abgesehen, dessen ja keiner sicher ist. Dadurch aber, dals des einen Ziele voraus denen des anderen stehen, erweitert sich der Gesichts- kreis, wachsen die Kräfte des anderen; und so, meine ich, mülste bei uns die wissenschaftliche Arbeit We- niger eine weit über das Nächstliegende hinausgehende Wirkung haben, mit der wir jetzt freilich nur in Ge- danken uns beschäftigen können. Dals aber diese Ge-


