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Das Eindringen der Aufklärung in der Universität Gießen / von Professor Drews
Entstehung
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58 Paul Drews.

Das Verhör ergab nichts für Schulz Belaſtendes. Weder hatte er das Kränzchen veranſtaltet, wie ihm ſchuld gegeben war, noch es auch nur gebilligt oder unterſtützt. Bei demſelben war nachweislich auch nichts geſchehen, was als Propaganda für ſeine Kollegien ge⸗ deutet werden konnte. Auch das Verhör über die Bittſchrift ergab nichts, was Schulz belaſten konnte.

Wie aber war dieſe Studenteneingabe zuſtande gekommen? Ein Student, Hundhauſen mit Namen, hatte im Kolleg einen Zettel herumgegeben mit der Frage: Wer will nächſtes Semeſter bei Prof. Schulz Dogmatik hören? Die Anweſenden unterſchrieben. Darauf eilte Hundhauſen nach Hauſe, ließ durch einen juriſtiſchen Kommi⸗ litonen, dem er größere Formgewandheit und Sachkenntnis in dieſen Dingen zutraute als ſich, die Bittſchrift aufſetzen und ſchrieb ſelbſt die Namen jener Unterzeichner mit verſtellter Hand darunter, die Namen noch einiger Kommilitonen hinzufügend, deren Zuſtimmung er ſicher zu ſein glaubte. Dieſen offenbar ſehr harmlos gemeinten Streich mußte Hundhauſen mit Relegation büßen.

Das Protokoll dieſes Verhörs gab der Rektor an die theologiſche Fakultät. Es iſt erſtaunlich, daß trotz der Unterſuchung Bechtold und Ouprier Benner enthielt ſich der Stimme behaupteten, die ganze Sache ſei doch eine gemeine, von Schulz angezettelte Intrigue. Aus ihren Voten ſpricht geradezu Haß gegen Schulz. Ouvrier behauptet, würde die Unterſuchung fortgeſetzt und jener Studiosus juris Cramer verhört, der die Bittſchrift aufgeſetzt habe, ſo würde ſich ergeben, daßer vorher deshalb bei dem Herrn Profeſſor geweſen und ihm das Leſen der Dogmatik empfohlen habe. In der Tat wurde Cramer noch vom Rektor verhört: Ouvriers Behauptung beſtätigte ſich nicht. So verlief die Sache im Sande. Oder richtiger: der Ausgang war für Schulz günſtig. Sein Ver⸗ trauen bei der Regierung ſtieg. So konnte er es wagen(am 9. Juni 1782), die Bitte an Geh. Rat von Heſſe zu richten, ihn zum vierten theologiſchen Profeſſor zu ernennen, da es ſinnlos ſei, ihm als Profeſſor der orientaliſchen Sprachen zwar die exegetiſchen Vorleſungen zu überlaſſen, ihm aber den Charakter als Theologen abzuerkennen. Es heißt in dem Schreiben:Als ich im Jahre 1776 der Be⸗ drückung des Herrn v. Moſer unterlag und aufhören mußte, Dog⸗ matik zu leſen und Theologe zu ſeyn, weil ich mich ſeine Wunder⸗ und Schatzkäſtleinsdogmatik zu leſen nicht entſchließen konnte, hatten wir über 80 Theologen, jetzt kaum über 40. Er will ſich verbürgen,

daß in Jahr und Tagen wieder eben ſoviel Theologen hier ſeyn