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Das Eindringen der Aufklärung in der Universität Gießen / von Professor Drews
Entstehung
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Das Eindringen der Aufklärung in der Univerſität Gießen. 59

ſollen, wie vor dem Jahre 1776, wenn mir dogmatiſche Lehrfreiheit ſowie ſie Döderlein in Altorf, Semler in Halle, Leß in Göttingen weſch und Morus in Leipzig hat, geſchenkt wird. Unterdeſſen ſtarb am 8. Juli 1782 Benner. Da konnte Schulz es mit um ſo größerer Zu⸗ verſicht wagen, am 14. Juli ſeine Bitte beim Landgrafen zu wieder⸗ holen, und am 6. Auguſt wurde ſeine Ernennung zum vierten

mnmen? ordentlichen Profeſſor in der theologiſchen Fakultät vollzogen. ettel Damit war der Sieg der Aufklärung in der theologiſchen di Nuf. Fakultät zu Gießen beſiegelt. Als es ſich um die Beſetzung der Darauf durch Benners Tod erledigten erſten Stelle handelte weder Komm⸗ Bechtold noch Ouvrier, der übrigens wegen Vergehen ſeiner Super⸗ in dieſen intendentur entſetzt worden war, wollte die Regierung aufrücken ſelbſt de laſſen und Roſenmüller in Erlangen ins Auge gefaßt war, Namen ſchrieb ihm der Oberhofprediger Starck aus Darmſtadt(am 21. Sept. er ſicher 1782):Die bisher in Gießen geherrſchte theol. Denkart, die im Streich Polemiſiren beſtand, iſt Ew. Hochw. bekannt, und noch werden Sie dort 2 Männer aus der alten Fabrique an Bechtold und ologiſche Ouvrier vorfinden; aber dies darf Ew. Hochw. nicht im mindeſten Bechtcod beſorgt machen. Durch Benners Tod hat dieſe Denkart ſchon einen upteten, wichtigen Stos erlitten. Zwar rückte nach Roſenmüllers Weggang zzettelte 1785 Bechtold(1785) in die erſte Stelle ein, aber er war ſo un⸗ Schulz bedeutend und von Ouyvrier gilt das erſt recht, daß Schulz, jener dem auch ſeine Gegner große Begabung nicht eueenn die führende zt habe, Rolle einnahm. Er rückte denn ſchließlich in alle hohen kirchlichen Herrn Würden ein und ſein Einfluß, namentlich auch auf das heſſiſche mhabe. Schulweſen, war nicht ohne Segen. Dupriers Die Bilder, die wir im Vorhergehenden aufgerollt haben, zeigen Sande. uns die Kämpfe in einer kleinen Univerſität der damaligen Zeit. gein Ver⸗ Als ſolche dürften ſie auch kulturgeſchichtlich nicht ohne Intereſſe n(am 9. ſein. Vor allem aber machen ſie deutlich, von welchem Einfluß ihn zum auf die geiſtige Entwickelung die maßgebenden Männer in der Regierung ihm dls waren, und ſodann, von welcher Bedeutung das Kirchenrecht in rleſungen dieſen Streitfragen und geiſtigen Schiebungen war: wenn es ge⸗ jerkennen nehm war, wurde dies Recht in ſeiner ganzen Starrheit hervor⸗

geholt und diente Männern zur Waffe, die es ſelbſt innerlich nicht mehr vertraten. Endlich kann man an Benners Geſtalt lernen, wie einzelne Männer oft nur durch ihre Lebenszähigkeit die Ent⸗

tten wir wickelung aufzuhalten vermögen, die um ſie her in breiten Wogen bürgen, vorwärts drängt. jer ſeyn