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Das Eindringen der Aufklärung in der Universität Gießen / von Professor Drews
Entstehung
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Das Eindringen der Aufklärung in der Univerſität Gießen. 57

Larmſtadt abging, oder wußte die Fakultät um jene Eingabe der 29 Studenten? Es iſt kein Zweifel, ſie wollte mit dieſem Schreiben de Studenteneingabe wirkungslos machen, ein Zeichen, daß ſie ihrer Cache nicht ſicher war.

Aber es wurde der Fakultät noch Gelegenheit gegeben, ſich un nittelbar mit dieſem ſtudentiſchen Schriftſtück zu befaſſen. Der Rektor Jaup legte ihr nämlich dasſelbe nebſt Schulz' Aeußerungen dazu am 13. April zur Begutachtung vor. Benner als Dekan, der übrigens perſönlich an ſeinen Schwiegerſohn geſchrieben und ihn gebeten hatte, e möge alles vermeiden,was zu Weiterungen in dieſer Sache Anlas geben könne, gab die Akten am 14. April den anderen Fakultäts⸗ hllegen mit einem Schreiben weiter, in dem es heißt:Er(Schulz) nill überall der ohnentberliche Mann bleiben in theologicis, und der rechtfertigende Advocat teils des Unverſtands teils des Muth⸗ nillens verführter Studenten. Bechtold, ſaumſelig wie immer, gab erſt am 1. Mai ſein Votum ab, das dahin ging, daß der Rektor ene Unterſuchung anzuſtellen habe, in der die Unterzeichner der Ein⸗ gabeunter Handgelöbnis an Eidesſtatt zu vernehmen ſeien, welche Pewandtnis es mit dem Werbezettel am Ende des vorigen Semeſters und mit der Abfaſſung und Unterzeichnung der Eingabe habe.

So ſtand denn Schulz wieder unter Anklage, und zwar einer dreifachen. Zur Verhandlung kam aber nur die wegen desKränz⸗ chens und wegen der Studenteneingabe. Daß beides innerlich im zuſammenhange ſtehe, daß bei demKränzchen, das in Schulz' Hauſe ſtattgefunden haben ſollte, der Plan jener Eingabe von Schulz den Studenten ſuggeriert worden ſei, das ſtand den Gegnern feſt.

Hatten nun die Theologen die Schriftſtücke betreffend die Studenten⸗ engabe vom Rektor erhalten, ſo legte er andererſeits Schulz das Schreiben der Fakultät gegen ihn vor, das von Darmſtadt wieder in den Rektor gegangen war. In ſeiner Erwiderung vom 23. April ſordert Schulz vom Rektor, um die Beſchuldigung wegen desKränz⸗ hens klarzuſtellen, daß der Student Mayer als der einzige unter den vier bei ihm wohnenden Studenten, der dies Kränzchen hält, edlich über dieſes Kränzchen vernommen werde.

Da auch die theologiſche Fakultät ein Verhör gefordert hatte, fund denn ein ſolches am 19. Mai im Hauſe des Rektors und im Beiſein des Syndikus ſtatt. Vernommen wurde zunächſt die Magd des Prof. Schulz, die, wie Benner behauptet hatte,den Caffee gekocht habe, ſodann die von Benner als Veranſtalter von Kränzchen bezeichneten Studenten und endlich die Unterzeichner des Memorials.