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Das Eindringen der Aufklärung in der Universität Gießen / von Professor Drews
Entstehung
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36 Paul Drews.

auf der Hand. Der Mann war ohne Zweifel ſehr begabt, er beſaß vor allem eine treffliche klaſſiſche Bildung und ſchrieb ein ſehr ge⸗

wandtes Latein;ein wahres Genie mit vielen Kenntniſſen ver⸗ ſehen ein guter Lateiner ein witziger Kopf, ſo charakteriſiert

ihn ſelbſt Karl Bahrdt, der gewiß an Benner nichts Gutes zu laſſen geneigt war. Er erſtieg alle Ehren, die einem Theologen im Darmſtädtiſchen offen ſtanden. Vor allem aber war er 46 Jahre lang als theologiſcher Profeſſor tätig(von 1735 1740 als außer⸗ ordentlicher, von 1740 bis zu ſeinem Tode 1782 als ordentlicher). Sein weitreichender Einfluß und ſein unbedingtes Anſehen wurden durch ein anſehnliches Vermögen, das er ſich in ſeinen Stellungen erworben und erſpart hatte er hinterließ beinahe 100 000 Gulden, noch erhöht. Offenbar war Benner ein ehrlicher Geſelle, aber ſehr ſelbſtbewußt, herrſchſüchtig und unduldſam. Als er geſtorben war, ſchrieb der damalige Juriſtenprofeſſor, der nachmalige Miniſter Gatzert triumphierend nach Darmſtadt:Der große Pan iſt tot! Wie ein Alp lag dieſer Mann ſchließlich auf Univerſität und Fakultät; er war es, der keine neuzeitliche Strömung aufkommen ließ und der Aufklärung, die bereits ſogar in der theologiſchen Fakultät anfing ſich geltend zu machen, ein geſchworener Feind bis an ſein Ende blieb.

Neben Benner ſtand bis 1749 als Stütze der Orthodoxie Johann Georg Liebknecht und ſpäter bis 1768 Reinhold Heinrich Rolle, dem ſich ſeit 1771 der Hofprediger Ludwig Benjamin Ouvrier anſchloß. Benner aber hat ſie alle überlebt und an Bedeutung und Einfluß bei weitem überragt. Derjenige Theologe aber, der trotz Benner es fertig brachte, der Aufklärung die Pforte der theologiſchen Fakultät zu öffnen und eine Hauptgröße der neuen Zeitrichtung nach Gießen zu bringen wußte, war Johann Georg Bechtold. Er war ſeit 1761 Profeſſor in der philoſophiſchen Fakultät geweſen, als er 1765 als Ordinarius in die theologiſche Fakultät einrückte, und auch er war zu hohen kirchlichen Ehren gelangt als er 1805 ſtarb. Bechtold war kein Mann, der, ſei es wegen ſeines Charakters, ſei es wegen ſeiner wiſſenſchaftlichen Tüchtigkeit unſere Achtung verdiente. Er ſtand auch zu ſeinen Lebzeiten nicht in ſonderlichem Anſehen. Es kann uns wenig Achtung vor dieſem Manne einflößen, daß er zuerſt, zur Zeit des Kanzlers Pfaff, ſich als Pietiſt gab und dadurch ſich in die Gunſt dieſes einflußreichen Mannes einzuſtehlen wußte. Als Pfaff nicht mehr da war, fügte er ſich geduldig dem Regime Benners, gab ſich in ſeinen literariſchen Veröffentlichungen orthodox, während er im Herzen zur

Aufklärung.