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besetzung der erledigten Stelle. Nach längeren Verhandlungen in der philosophischen Facultät, welche 1) C. TH. v. SIEBOLD in Frei- burg, 2) FR. STEIN in Berlin und 3) R. LEuckARr in Göttingen auf ihre Liste setzte, neigte sich im Senat die Wage auf die Seite LEUCKARTS, indem sein Name unmittelbar hinter den v. SIEBOLD'S rückte. Ob Verhandlungen mit Letzterem ergebnislos verlaufen oder überhaupt nicht angeknüpft worden sind, habe ich aus den Acten nicht er- mitteln können, jedenfalls ging am 2. April 1850 der Universität die Nachricht von der vollzogenen Berufung LkuckARY' zu. Am 4. Mai hielt er seine Antrittsrede»über die wissenschaftliche Aufgabe der Zoologie«. Seine erste Aufgabe war die Fortsetzung der von seinem Vorgänger vergeblich unternommenen Bemühungen, die argen Miß- stünde zu beseitigen. Schon am 6. Juli richtet er an das Ministerium einen eingehenden Bericht, in dem zum ersten Mal die Bezeichnung „Zoologisches Institut« an Stelle der bisherigen»Zoologisches Cabinet« vorkommt. Er schildert in beweglichen Worten den»unbeschreiblich kläglichen« Zustand der Sammlung.»Ein Zoolog kann im hiesigen Museum Wunderthiere sehen, wie sie kaum in alten Märchenbüchern beschrieben sind. Affen mit Schafsköpfen und Ziegenleibern, Tauben mit dem Aussehen eines Habichts sind hier sehr gewöhnlich. Und mit solchen Präparaten soll man einen Schüler die Zweckmäßigkeit der Thierformen lehren! Als ob es bloß darauf ankäme, Farbe und Form der Haare und Federn zu demonstriren«. Er beantragt die Anstellung eines eigenen Conservators; der bisherige war zugleich an der pathologischen und der mineralogischen Sammlung angestellt und stand dem Zoologischen Institut nur in den Nachmittags- stunden der vier ersten Wochentage zur Verfügung— falls er nicht durch Hilfe bei den Sectionen in Anspruch genommen war! Ferner bittet er um Mittel für die Anschaffung der nothwendigsten Geräthe. Er ist aber so vorsichtig, sich mit der Forderung eines einmaligen Zuschusses von nur 600 fl. zu begnügen. Allein auch er erzielte damit zunächst keinen besseren Erfolg, und erst im Juli 1854 wurden 1000 fl. zur Deckung rückständiger Ausgaben und außer- ordentlicher Anschaffungen im Jahre 1853 bewilligt. Inzwischen war (im Jahre 1850) die Übersiedelung der Zoologischen Sammlung in das Anatomiegebäude bewerkstelligt. LEuckAkr hat während seines hiesigen Aufenthaltes dieselbe in einer außerordentlichen Weise ge- fördert. In allen Theilen derselben finden wir die Spuren seiner Wirksamkeit, und es ist zu einem großen Theile ihm zu verdanken, daß dieselbe namentlich an Spiritus-Präparaten aus allen Gebieten des Thierreichs reichhaltig ist. Unter LEuckART's Direction— gleich- zeitig mit seiner Beförderung zum ordentlichen Professor(Herbst


