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Zur Geschichte der medizinischen Fakultät der Universität Gießen / von Prof. Dr. Sommer und Priv.-Doz. Dr. Dannemann in Gießen
Entstehung
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später erfolgt, als in der rein physikalischen und chemischen Natur- wissenschaft. Sehr charakteristisch für v. Ritgens umfassende Weltanschauung sind die unter dem Pseudonymvon Tirneg (Anagramm seines Namens) veröffentlichtenseelenfreundlichen Briefe. Hierin tritt die ganze Fülle naturphilosophischer Bestre- bungen deutlich zutage. Jedenfalls sind seine psychiatrischen Be- strebungen, die in der Wurzel mit seinen naturphilosophischen Ideen zusammenhbängen, in praktischer Beziehung nicht ohne Erfolg geblieben. Im Anschluß an seine Pläne ist der Gedanke der Er- richtung einer psychiatrischen Unterrichtsanstalt aus den Akten der Fakultät und den Verhandlungen der hessischen Kam- mern nicht wieder verschwunden. Seine Anschauungen über Geistes- krankheiten legte er in einem kleinen Buche, betiteltPersön- lichkeitskrankheiten, nieder. Dieses Werk hat zwar vom Standpunkte der modernen Psychiatrie nur historisches Interesse, jedoch in einem Punkte auch modernes Gepräge, insofern als darin besonders die Persönlichkeit, das Individuelle, das Moment der an- geborenen Anlage im Sinne der jetzigen Ausdrucksweise, betont wird, deren Bedeutung für die Psychiatrie immer wieder zeitweilig verkannt wird, jedoch schließlich gerade bei analytischer Unter- suchung immer mehr in den Vordergrund tritt.

In diesem Sinne und grundlegenden Punkte erscheint Lud- wig, der Reformator des hessischen Irrenwesens und greise Senior der hessischen Irrenärzte, deutlich von Ritgen beeinflußt, wie dies aus seiner Doctordissertation hervorgeht. Ludwig hat die

Bestrebungen seines Lehrers Ritgen bezüglich der Schaffung einer

psychiatrischen Unterrichtsanstalt an der Landesuniversität weiter gebildet und sie zu einem bestimmten, klaren Programm verdichtet, welches erst jetzt durch die Errichtung einer Landesirrenanstalt bei Gießen als Evakuationsanstalt der Klinik zur völligen Durch- führung gelangt. Er verdient, gehörte er ihr auch nie als Dozent an, als Weiterbildner Ritgenscher Gedanken und selbständiger Organisator einen Ehrenplatz in der Geschichte der Gießener me- dizinischen Fakultät. Seiner energischen Vertretung des Gedankens einer psychiatrischen Klinik verdankten die dahin zielenden Pläne der medizinischen Fakultät ihre frühzeitige Realisierung, ging doch hernach das kleine Hessen einer ganzen Reihe deutscher Hoch- schulen in der Errichtung einer psychiatrischen Lehrkanzel zeitlich

erheblich voran. Die Bauzeit des seit 1905 Klinik für psychische

und nervöse Krankheiten genannten Instituts dauerte von 1891 bis 1896. Am 25. Februar 1896 wurde es, von Sommer in sei- nem Ausbau und seiner Einrichtung wesentlich beeinflußt, eröffnet. ¹)

Hier sei noch kurz Carl Spamers gedacht(gestorben 1892 in Bingen), jedem Mediziner bekannt durch den von ihm angegebenen kleinen, handlichen Induktionsapparat. Er habilitierte sich, wäh- rend vierjähriger Assistentenzeit in der Anstalt Hofheim vorge- bildet, 1876 in Gießen für Psychiatrie, ging indessen 1881 in den hessischen Staatsdienst über.

1) Die sehr interessante Vorgeschichte der Klinik ist veröffentlicht in der Schrift von Dr. Dannemann, Die psychiatrische Klinik zu Gießen. Berlin, Karger, 1898.